{"id":27,"date":"2011-05-05T19:28:50","date_gmt":"2011-05-05T18:28:50","guid":{"rendered":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/wordpress\/?p=27"},"modified":"2014-01-16T17:35:07","modified_gmt":"2014-01-16T16:35:07","slug":"gegen-die-liebe-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/gegen-die-liebe-1","title":{"rendered":"Gegen die Liebe (1)"},"content":{"rendered":"<p><em><em>Ein Text gegen den Mythos der Gro\u00dfen Liebe, gegen die kitschige, romantische, exklusive, heteronormative, in Schubladen gesteckte, besitzergreifende Liebe.<\/em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Originaltext<\/em>: La culture de l\u2019amour<em> von<\/em> \u2018Collectif\u2018, <em>Ersterscheinung August 2003<\/em>. Original in<a href=\"http:\/\/infokiosques.net\/lire.php?id_article=158\"> HTML-Version<\/a>, <a href=\"http:\/\/infokiosques.net\/IMG\/pdf\/contre_l_amour.pdf\">PDF-Version<\/a>. \u2014 <em>\u00dcbersetzung  aus dem Franz\u00f6sischen von Chantilly<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Teil 1: Die absurde Einteilung aller Zuneigung und Z\u00e4rtlichkeit in zwei Begriffe: Liebe und Freundschaft.<\/strong> Dabei gibt&#8217;s doch so viel mehr&#8230; Und: die Liebe ist ein Gott und der M\u00e4rchenprinz auf dem wei\u00dfen Schimmel sein fleischgewordener Sohn.<\/em><\/p>\n<p>Die Liebe und ihre Rollenbilder sind keine albernen Banalit\u00e4ten, die man beil\u00e4ufig verachten kann, sondern Tr\u00e4ger von Leiden und Ausgrenzungen, die man bek\u00e4mpfen muss&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Sind sie in einer Liebesbeziehung?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nein, ich w\u00fcrde nicht sagen, dass es Liebe ist. Es ist eher eine z\u00e4rtliche Freundschaft, eine sexuelle Freundschaft, eine nette Seelenverwandtschaft, ich wei\u00df nicht. Aber deshalb gleich von Liebe zu sprechen&#8230; der Begriff ist ein wenig zu bedeutungsschwer.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Liebe&#8220; &#8211; ein bedeutungsschwerer Begriff, ein bisschen vage, eher schwierig einzugrenzen, relativ zerst\u00f6rerisch. Man wei\u00df nicht genau, wann man diesen Begriff ben\u00fctzen soll. Sicher nicht irgendwann. <!--more-->Man wei\u00df nicht immer genau was er abdeckt, man f\u00fchlt sich ihm gegen\u00fcber oft etwas verloren, die einzige Sache die man wei\u00df ist, dass er eine gro\u00dfe Bedeutung hat. Man spielt nicht mit diesem Wort.<\/p>\n<p>Nun gut. Vielleicht sollte man also mit Begriffskl\u00e4rungen beginnen. Also, wenn Menschen Zuneigung versp\u00fcren, dann k\u00f6nnen sie untereinander verschiedene Dinge austauschen, sie k\u00f6nnen verschiedenartige Z\u00e4rtlichkeiten austauschen:<\/p>\n<p>K\u00fcsschen auf die Wange. K\u00fcsse auf den Mund. K\u00fcsse auf den Ellenbogen. K\u00fcsse woanders. Die Nasen aneinander reiben. Streicheleinheiten. Umarmungen. Einander bei der Hand nehmen oder Arm in Arm laufen. Die Haare anfassen. Nebeneinander schlafen, oder aneinander geschmiegt. Lecken. Blasen. Kitzeleien. Petting. Analverkehr. Und so weiter und so fort. Man wird all das k\u00f6rperliche Z\u00e4rtlichkeiten nennen. Es scheint \u00fcblich zu sein, sie in zwei Gruppen aufzuteilen: die, die sexuellen Genuss bereiten, die man sexuelle Handlungen nennt, und die, die anderen Genuss bereiten, die man Z\u00e4rtlichkeiten nennt.<\/p>\n<p>Blicke. Lange Gespr\u00e4che. Komplimente. Gesten der Aufmerksamkeit, des Zuh\u00f6rens, des Interesses. Zusammen verbrachte Zeit. Z\u00e4rtliche Worte. Lachanf\u00e4lle. Sich vielsagende Blicke zuwerfen. Und so weiter und so fort. Das alles ist auch Z\u00e4rtlichkeit, aber ohne K\u00f6rperkontakt: Einstellungen, Verhalten, Gespr\u00e4che&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Samuel_van_dijk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-64\" title=\"Samuel_van_dijk http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mohlao\/4417335377\/\" src=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Samuel_van_dijk-300x300.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Samuel_van_dijk-300x300.jpg 300w, http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Samuel_van_dijk-150x150.jpg 150w, http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Samuel_van_dijk.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wenn man sich an Z\u00e4rtlichkeiten beteiligt und es gut l\u00e4uft, so zieht man daraus Dinge, die man emotionale G\u00fcter nennt. Angenehme Empfindungen, Freude, Gef\u00fchl der Innigkeit, etwas wert zu sein, Gef\u00fchl der Vertrautheit, jemandem wichtig zu sein&#8230; So wie wenn man greifbare und stapelbare Dinge austauscht, so wie man zwei Geldst\u00fccke gegen einen Rasentrimmer eintauscht, da nehme ich einen materiellen Austausch vor und bekomme daf\u00fcr ein materielles Gut: einen funkelnagelneuen Rasentrimmer. Ich werde meinen Freunden sagen k\u00f6nnen, dass sie meine Liste materieller G\u00fcter anschauen kommen sollen: &#8222;Ja, ich hab dieses und ich hab jenes, ich hab eine Fahrradpumpe und einen Rasentrimmer&#8220;. Wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich nach einer Stunde, die ich mit Philipp verbracht habe, f\u00fcr mich einen Kassensturz meiner emotionalen G\u00fcter machen und ich w\u00fcrde feststellen, dass diese eine gemeinsame Stunde mir 25 Gramm sinnliche Freuden im linken gro\u00dfen Zeh gebracht hat und 89 Unzen Vertrautheit. Ich sag nicht, dass man alles so z\u00e4hlen soll, nicht wahr, ich versuche nur, den Wortschatz den ich vorschlage anschaulicher zu gestalten.<\/p>\n<p>Also noch mal, versichern wir uns, dass wir da nichts durcheinanderbringen. Die Z\u00e4rtlichkeit zwischen Menschen kann eine ganze Reihe von Formen annehmen, eine ganze lange Reihe ganz verschiedener Formen, die voller Feinheiten, Einzigartigkeiten, Kreativit\u00e4t und Tabus ist. Und wenn uns diese Z\u00e4rtlichkeiten gut tun, dann ziehen wir daraus emotionale G\u00fcter. Verstanden? Gut.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Kulturen, die die Menschheit pr\u00e4gen, haben alle ihre Art, mit Z\u00e4rtlichkeit umzugehen. Manche sind verboten, andere toleriert, oder werden in Kategorien eingeteilt, umverteilt, verschl\u00fcsselt, aufgez\u00e4hlt, benannt, genormt. Zum Beispiel hat unsere Kultur im Gro\u00dfen und Ganzen zwei W\u00f6rter f\u00fcr den Austausch von Z\u00e4rtlichkeit: &#8222;Freundschaft&#8216; und &#8218;Liebe&#8216;. \u00dcberraschend, nicht wahr? Nur zwei Worte, nur zwei Etiketten f\u00fcr so viele verschiedenen Formen von Z\u00e4rtlichkeit.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/4179744314_a7c0d73237CC_Philippe-Leroyer.jpg-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"199\" class=\"alignnone size-medium wp-image-56\" title=\"Foto vom (Gay-) Kiss-In Paris 2009. Creative Commons-Lizenz: Philipp Leroyer. http:\/\/www.flickr.com\/photos\/philippeleroyer\/4179744314\/in\/set-72157622987101092\/\" src=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/4179744314_a7c0d73237CC_Philippe-Leroyer.jpg--300x199.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/4179744314_a7c0d73237CC_Philippe-Leroyer.jpg--300x199.jpg 300w, http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/4179744314_a7c0d73237CC_Philippe-Leroyer.jpg-.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Glaubst du, dass es Freundschaft zwischen Mann und Frau geben kann? Was ist der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe?&#8220;<\/p>\n<p>Die Frage ist absurd, schon weil sie davon ausgeht, dass es keine Liebe zwischen M\u00e4nnern und unter Frauen geben kann. Aber gleichzeitig ist sie verr\u00e4terisch: unser armer Wortschatz bietet uns nur zwei Begriffe an, um \u00fcber Beziehungen zu sprechen. Man sagt nicht: &#8222;Mit X gibt es K\u00fcsschen, einander zuh\u00f6ren und Vertrautheit&#8220; oder &#8222;mit Y habe ich ein bisschen Sex aber vor allem lachen wir sehr viel zusammen&#8220;, man sagt: &#8222;Mit X, das ist Liebe&#8220; und &#8222;mit dir, das ist nur Freundschaft&#8220;. Wir ordnen unsere zwischenmenschlichen Beziehungen in zwei Schubladen ein, die sehr vereinfachend sind. Und diese zwei Schubladen sind nicht mal ausgeglichen, im Gegenteil. &#8222;Die Freundschaft&#8220; deckt eine gro\u00dfe Bandbreite an Formen der Zuneigung ab. &#8222;Die Liebe&#8220; hingegen ist nicht weniger als ein Gipfelpunkt, etwas allumfassendes, Freundschaft mal Hundert, Freundschaft in ihrer extremsten Form. Sie ist gleichzeitig enorm und enorm selten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Die Liebe, die Liebe&#8230; Was ist das eigentlich?&#8220;<\/p>\n<p>Das Etikett &#8222;Liebe&#8220; wurde von unserer reichen und fluchbeladenen Kultur im tiefsten Mittelalter erfunden. Eine Dosis Christlichkeit und eine Dosis Minne und hopp! schon war der Mythos der Gro\u00dfen Liebe entstanden, das Idol Liebe, das die Jahrhunderte mit seinem sch\u00f6nen wei\u00dfen Schimmel \u00fcberflog, von romantischen Gedichten bis hin zu heutigen Dramen. Ich bin kein Historiker, aber es gibt sicher welche, die die Entstehung und das Wachstum dieses Idols erforscht haben, eines Tages werde ich da mal nachforschen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Was ist also die Liebe?&#8220;<\/p>\n<p>Die Liebe ist ein Gott. Man geht in v\u00f6lliger Extase zu seinem Abendmahl. Man lauert auf ihn, man ruft ihn um Hilfe, man hofft darauf von seiner Gnade ber\u00fchrt zu werden, man f\u00fcrchtet seinen Zorn mehr als alles andere. Man verehrt ihn. Man betet nachts im Bett, auf dass er erscheinen m\u00f6ge. Er wird uns erretten. Er ist der einzige, der aus unserem irdischen Weg ein Paradies machen wird. Gleichzeitig verhei\u00dft er uns die schlimmsten und heiligsten Schmerzen.<\/p>\n<p>Die Liebe ist eine Art totale Zuneigung. Totalisierend. Totalit\u00e4r. Die Liebe, das sind alle Formen von Zuneigung auf einmal. Ein Monster, ein Leviathan, eine mehrk\u00f6pfige Schlange. Es gibt keine teilweise oder nuancierte Zuneigung, sonst ist es &#8222;nur&#8220; Freundschaft, oder eine Sex-Aff\u00e4re, oder br\u00fcderliche Zuneigung&#8230;<\/p>\n<p>Die Zuneigung vom Typ &#8222;Liebe&#8220; ist absolut, absolut enorm und absolut umfassend und soll zudem ganz pr\u00e4zisen Kriterien entsprechen. Sie besteht nur zwischen zwei heterosexuellen Personen. Sie muss unsterblich sein, auf jeden Fall muss sie viele Jahre lang dauern. Sie muss in einer exklusiven Zweierbeziehung stattfinden, verliebt, verlobt verheiratet, Kinder. Den Hund gibt&#8217;s optional dazu, das hilft, sich selbst davon zu \u00fcberzeugen, dass man sich gut f\u00fchlt in dieser echten Liebe, mit seiner echten Familie und den echten Klischee-Bildern. Es ist \u00fcbrigens sehr wichtig, sich regelm\u00e4\u00dfig zu fragen, ob unsere Liebe &#8222;echt&#8220; ist, &#8222;authentisch&#8220;. Denn man betreibt keine Blasphemie mit der Liebe, man spricht seinen Namen nicht unn\u00fctz aus, sonst: Sakrileg, Sakrileg!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wedding-_CC-_Swirlingthougts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"240\" class=\"alignnone size-medium wp-image-59\" title=\"Creative Commons Lizenz: Swirlingthougts http:\/\/www.flickr.com\/photos\/swirlingthoughts\/2116686523\/in\/set-72157594250807864\/\" src=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wedding-_CC-_Swirlingthougts-300x240.jpg\" alt=\"\" srcset=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wedding-_CC-_Swirlingthougts-300x240.jpg 300w, http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/wedding-_CC-_Swirlingthougts.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Eines Tages wird mein M\u00e4rchenprinz kommen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Der <strong>Gott Liebe<\/strong> hat seine Christus-Figuren, seinen fleischgewordenen Nachkommen: es sind <strong>der M\u00e4rchenprinz und die M\u00e4rchenprinzessin<\/strong>. Da kommen sie, beachtet ihre stattliche Erscheinung, ihren sicheren Gang, ihren Charme, ihre Sch\u00f6nheit! Sie sind keine Menschen, sie sind Engel. Sie sind perfekt, super-begehrenswert, legend\u00e4r. Werden sie sich dazu herablassen, uns ein Augenzwinkern zu schenken? Wird es uns gelingen, sie einzufangen, sie zu besitzen und uns mit ihm oder ihr und der Liebe in einer heiligen Dreifaltigkeit zu vereinigen? Werden wir ihnen so weit \u00e4hneln k\u00f6nnen um ebenso viel Aufsehen um uns erregen zu k\u00f6nnen? Damit \u00fcberall und st\u00e4ndig die Leute niederknien und uns Liebeserkl\u00e4rungen machen?<\/p>\n<p>Wir verehren den M\u00e4rchenprinz oder die M\u00e4rchenprinzessin und durch sie oder ihn verehren wir alle sozialen Normen, mit denen unsere Kultur sie ausstattet. Unsere Kultur zeichnet einen gro\u00dfen und starken M\u00e4rchenprinzen, beruhigend und besch\u00fctzend. Frau, ihn sollst du begehren! Mann, das ist das Modell, dem du folgen sollst um die Frauen verf\u00fchren zu k\u00f6nnen! Unsere Kultur bietet uns eine M\u00e4rchenprinzessin, die sensibel und sanft ist, schlank und glatt. Mann, tr\u00e4ume nur noch von diesem hohlen Ideal ; Frau, eifere ihm mit Hingabe nach! Die Kleidungsindustrie, die Werbung, die Kosmetikindustrie und vor allem das Patriarchat haben mit M\u00e4rchen-Prinz und -Prinzessin ihre besten Verb\u00fcndeten. Welche andere soziale Norm kann sich damit br\u00fcsten, so hei\u00df begehrt zu sein?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u00ab I\u2019m feelin\u2019 blue&#8230; \u00bb<\/p>\n<p>So viel Leiden wegen dieser Chim\u00e4ren. So viele entt\u00e4uschte Wunschtr\u00e4ume, Fantasievorstellungen, Hoffnungen, so viel Energie, Zeit, Zittern, \u00c4ngste, Magengrummeln, Scham, so viele Tr\u00e4nen, so viele Tr\u00e4nen, so viele Tr\u00e4nen! F\u00fcr blo\u00dfe Legenden! Die Liebe, der M\u00e4rchenprinz und die M\u00e4rchenprinzessin sollten einfache Gespenstergeschichten sein, Mythen die als solche erkannt und bewusst gemacht wurden. Aber nein, wir wollen ja daran glauben, wir holen diese Mythen in unsere Realit\u00e4t, wir suchen sie ohne Unterlass, wir glauben, dass wir sie schon eines Tages finden werden. Gott existiert nicht, Eldorado auch nicht und der\/die M\u00e4rchenprinz(essin) erst recht nicht, das sind alles Legenden.<br \/>\nWarum unser Leben ruinieren, warten, entt\u00e4uschen und Tr\u00e4nen vergie\u00dfen f\u00fcr diese Legenden?<\/p>\n<p>Man wird mir \u00dcbertreibung vorwerfen und sagen, dass die Leute schnell verstehen, dass all diese Mythen eben Mythen sind. Ich sage, dass diese Mythen gef\u00e4hrlich sind. Sie w\u00fchlen munter tiefgehende Emotionen auf, sie r\u00fchren an dem Schmerzhaftesten, Intimsten, Sensibelsten, das in uns gibt: dem Ego, den Gef\u00fchlen, dem Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung, den Verlust\u00e4ngsten\u2026 Sie rufen Abh\u00e4ngigkeiten hervor, Hass, Kr\u00e4mpfe, Depressionen. Sie stiften zu Bel\u00e4stigungen, Selbstmorden und Totschlag an.\u00a0Und selbst ohne so weit zu gehen, verbringen so viele Leute ihre gesamte Jugend damit, zum Beispiel felsenfest an die Liebe zu glauben und deshalb zu leiden; sie k\u00f6nnen damit schlie\u00dflich klarkommen, aber jahrelang unvermeidliche Folgesch\u00e4den davontragen. Eine ganze Jugend lang leiden ist schon zu viel, sogar schon ein einziges Jahr leiden ist zu viel. H\u00f6ren wir auf damit, den Glauben an den M\u00e4rchenprinz und die M\u00e4rchenprinzessin zu n\u00e4hren. Warten wir nicht auf das &#8222;wenn wir gro\u00df sein werden, werden wir&#8217;s verstehen&#8220; sondern helfen wir uns schon jetzt gegenseitig, unabh\u00e4ngig in Gef\u00fchlsbelangen zu sein und in uns zu ruhen<\/p>\n<p><em>Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/gegen-die-liebe-2-liebeskitsch\">Teil 2: Liebeskitsch<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Originaltext: <\/em>La culture de l&#8217;amour<em> von &#8218;<\/em>Collectif<em>&#8218;, Ersterscheinung August 2003. Original in <a href=\"http:\/\/infokiosques.net\/lire.php?id_article=158\">HTML-Version<\/a>, <a href=\"http:\/\/infokiosques.net\/IMG\/pdf\/contre_l_amour.pdf\">PDF-Version<\/a>. &#8212; <\/em><em>\u00dcbersetzung\u00a0 aus dem <\/em><em>Franz\u00f6sischen <\/em><em>von Chantilly<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Text um die Idee der Gro\u00dfen Liebe hinter sich zu lassen, die kitschige, romantische, exklusive, heteronormative, in Schubladen gesteckte, besitzergreifende Liebe. &#8211; Teil 1: Die absurde Einteilung aller Zuneigung und Z\u00e4rtlichkeit in zwei Begriffe: Liebe und Freundschaft. Dabei gibt&#8217;s doch so viel mehr&#8230;  Und: willkommen im K\u00f6nigreich der Liebe,  wo unser(e)Traumprinz(essin) samt Haus, Kind und Hund auf uns warten! <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[8,7,6],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27"}],"collection":[{"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27"}],"version-history":[{"count":32,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}