{"id":495,"date":"2013-10-09T18:34:42","date_gmt":"2013-10-09T17:34:42","guid":{"rendered":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/?p=495"},"modified":"2015-02-27T11:15:16","modified_gmt":"2015-02-27T10:15:16","slug":"das-problem-mit-der-polynormativitat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/beziehungsgarten.net\/blog\/das-problem-mit-der-polynormativitat","title":{"rendered":"Das Problem mit der Polynormativit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00dcbersetzung des englischen Texts &#8222;<\/em><a href=\"http:\/\/sexgeek.wordpress.com\/2013\/01\/24\/theproblemwithpolynormativity\/\">the problem with\u00a0polynormativity<\/a>&#8222;<em>von<a href=\"https:\/\/sexgeek.wordpress.com\/about\/\"> Andrea Zanin<\/a> durch\u00a0Bettina, Tom und Rainer vom <a href=\"http:\/\/www.polyamory.ch\/doc\/treffen:polytreff_berlin\">Berliner PolyTreff<\/a> mit kleinen sprachlichen Anpassungen von cloudy.<\/em><\/p>\n<h2>Das Problem mit der Polynormativit\u00e4t<\/h2>\n<p>Polyamorie erh\u00e4lt dieser Tage eine Menge Sendezeit in den Medien. Das<br \/>\nist wirklich ziemlich bemerkenswert und stellt eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in<br \/>\nden letzten f\u00fcnf bis zehn Jahren dar.<\/p>\n<p>Das Problem &#8211; und das ist kaum verwunderlich \u2013 ist, dass die Art von<br \/>\nPoly, die bei weitem die meiste Sendezeit erh\u00e4lt, diejenige ist, die der<br \/>\ntraditionellen Zweierbeziehung am n\u00e4chsten kommt, weil sie die herrschende<br \/>\nSozialordnung am wenigsten bedroht.<\/p>\n<p>Vor zehn Jahren, denke ich, war meine Haltung eher ein<br \/>\nLeben-und-leben-lassen. Du wei\u00dft schon, andere L\u00e4nder, andere Sitten\u2026<br \/>\nIch lebe Poly auf meine Weise, Du lebst es auf Deine, und wir alle tun<br \/>\netwas Nicht-Mono-artiges, das wir als etwas von der Norm Abweichendes und<br \/>\neinander Verbindendes betrachten k\u00f6nnen. Wir teilen eine gewisse Art der<br \/>\nUnterdr\u00fcckung insofern, als die Welt Nicht-Monos nicht anerkennt<br \/>\noder wertsch\u00e4tzt. Wir teilen Beziehungsfragen wie logistische<br \/>\nHerausforderungen, Zeitmanagement und Eifersucht. Also sitzen wir alle<br \/>\nin einem Boot, oder?<\/p>\n<p>Heute jedoch bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich viel st\u00e4rkere<br \/>\nGef\u00fchle diesbez\u00fcglich habe. <!--more-->Ich meine Gef\u00fchle ernsthafter Ablehnung<br \/>\ngegen\u00fcber dem Konzept, nicht nur des YKINMKBYKIOK*. Gef\u00fchle echter<br \/>\nVer\u00e4rgerung statt solche der Kameradschaft. Ich denke, wir handeln<br \/>\ngrunds\u00e4tzlich radikal verschieden. Die Poly-Bewegung \u2013 wenn sie denn als<br \/>\neine solche bezeichnet werden kann, was aus einer Reihe von Gr\u00fcnden<br \/>\nfraglich ist \u2013 beginnt pr\u00e4zise an denselben Linien zu zerbrechen wie die<br \/>\nSchwulen\/Lesben\/Queer-Bewegung. (Man k\u00f6nnte argumentieren, das w\u00e4re<br \/>\nschon immer so gewesen, aber es schien mir nicht immer so glasklar zu<br \/>\nsein wie jetzt.)<\/p>\n<p>(* Steht f\u00fcr: \u201eDeine Macke ist nicht meine, aber deine ist ok\u201c, eine<br \/>\n\u00fcbliche Redewendung zwischen Anormalen, um auszudr\u00fccken, dass man etwas<br \/>\nnicht m\u00f6gen muss, um es zu akzeptieren.)<\/p>\n<p>Im Grunde w\u00fcrde ich sagen, das Polykonzept einiger Leute sieht f\u00fcr den<br \/>\nMainstream gut aus, das anderer jedoch nicht. Der Mainstream sieht sich<br \/>\ngerne herausfordernd, sexy und cool. Der Mainstream \u00fcbernimmt gern jeden<br \/>\nfrischen Trend, um sich selbst davon zu \u00fcberzeugen, dass er etwas Neues<br \/>\nund Aufregendes tut, denn das steigert den Umsatz von Zeitschriften,<br \/>\nVeranstaltungstickets, was auch immer. Der Mainstream tut dies gerne,<br \/>\nwohingegen er so viele Barrieren wie m\u00f6glich gegen grunds\u00e4tzliche<br \/>\nWertewechsel errichtet, die die Struktur der Funktionsweise der Welt<br \/>\nst\u00fcrzen k\u00f6nnten. In diesem Fall ist diese Struktur die des Primats des<br \/>\nPaares.<\/p>\n<p>Die Medien pr\u00e4sentieren klare Poly-Normen und \u00fcberw\u00e4ltigende Beispiele<br \/>\npolyamorer Menschen, die innerhalb dieser Normen Polyamorie leben und<br \/>\ndar\u00fcber sprechen. Das bezeichne ich als Polynormativit\u00e4t. (Ich glaube<br \/>\nnicht, dass ich hier gerade einen Begriff pr\u00e4ge, aber ich bin nicht weit<br \/>\nweg davon, weil die meisten der siebenhundert armseligen Google-Hits,<br \/>\ndie ich finden konnte, Juristenjargon waren, den ich nicht verstehe.<br \/>\nEhrlich gesagt w\u00fcnschte ich mir, es g\u00e4be den Begriff schon. Also, \u00e4hm\u2026<br \/>\ndies ist mein Geschenk an Dich.)<\/p>\n<p>Hier sind die vier Normen, die Polynormativit\u00e4t pr\u00e4gen, so wie ich es sehe:<br \/>\n<!--more--><br \/>\n1. Polyamorie beginnt mit einem Paar. Das erste Mal, als ich den<br \/>\nBegriff &#8222;Polypaar&#8220; h\u00f6rte, lachte ich laut auf. Es schien mir das<br \/>\noffensichtlichste aller Oxymorone &#8211; Jumbo-Garnelen, friendly fire, feste<br \/>\nSch\u00e4tzung, Polypaar. Aber siehe da, es hat wirklich Wurzeln geschlagen,<br \/>\nund niemand scheint etwas zu merken. Polyamorie wird dargestellt als<br \/>\nAngelegenheit eines Paares, im Gegensatz zu einer Beziehungsphilosophie<br \/>\nund \u2013herangehensweise, die einem einzelnen Menschen zugerechnet wird,<br \/>\nder in der Folge am Ende Teil eines Paares, aber &#8211; weil poly! &#8211;<br \/>\nm\u00f6glicherweise genauso gut mit sechs Leuten verpartnert sein kann, oder<br \/>\nTeil einer Triade oder Single oder was auch immer. Mit dieser Norm<br \/>\nn\u00e4hert sich die ganze Pr\u00e4misse von Mehrfachbeziehungen an etwas an, das<br \/>\nim Wesentlichen klingt wie das Hobby eines traditionell verbundenen<br \/>\nPaares, wie Tanzen oder Skifahren. So viel zum radikalen Neudenken<br \/>\nzwischenmenschlicher Beziehungen. So viel f\u00fcr alle, die der Sache<br \/>\nunvorbereitet als Single begegnen.<\/p>\n<p>2. Polyamorie ist hierarchisch aufgebaut. Ausgehend von der Norm, dass<br \/>\nPolyamorie mit zweien beginnt (und vermutlich endet), m\u00fcssen wir allem<br \/>\nFolgenden selbstverst\u00e4ndlich eine Hierarchie zuerkennen. Wie sonst<br \/>\nw\u00fcrden wir wissen, wer aktuell das wirkliche Paar ist? F\u00fcgst Du noch<br \/>\nmehr Personen hinzu, k\u00f6nnte es unscharf und verwirrend werden! So<br \/>\nentsteht die Idee der prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Beziehungen. Das ist, was<br \/>\nich hierarchische Polyamorie nenne.<\/p>\n<p>\u201cPrimary\u201c beinhaltet: allerwichtigste Bedeutung. \u201eSecondary\u201c meint:<br \/>\nweniger wichtige Bedeutung. In diesem Modell ist es selbstverst\u00e4ndlich,<br \/>\ndass die Gef\u00fchle einer Person vor denen einer anderen stehen. Lass mich<br \/>\ndas noch einmal sagen: Es ist v\u00f6llig normal, wird sogar erwartet, dass<br \/>\ndie Gef\u00fchle, Schmerzen und Meinungen einer Person mehr bedeuten als die<br \/>\neiner anderen. Es ist normal, dass eine Person erster Klasse fliegt, und<br \/>\ndie andere zweiter Klasse \u2013 eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die allein auf<br \/>\nihrem jeweiligen Status basiert. Und wir denken, das ist fortschrittlich?<\/p>\n<p>Sebstverst\u00e4ndlich wirkt sich das in unterschiedlichen Situationen<br \/>\nunterschiedlich aus. Dieses Modell funktioniert eher relativ gut, wenn<br \/>\ndie Beteiligten superfreundlich, r\u00fccksichtsvoll, ausgeglichen, emotional<br \/>\ngefestigt und gro\u00dfz\u00fcgig sind, und eher weniger gut, wenn die Beteiligten<br \/>\ngemein, r\u00fccksichtslos, unausgeglichen, unsicher oder egoistisch sind. Es<br \/>\nist ein bisschen wie zu versuchen, den Job in einer Rezession zu<br \/>\nbehalten, je nachdem, ob Dein Chef ein netter Mensch oder vorwiegend am<br \/>\nBetriebsergebnis interessiert ist. So oder so sorgt diese Struktur<br \/>\ndaf\u00fcr, dass Secondaries vom guten Willen der Primaries abh\u00e4ngig sind,<br \/>\nund dass sie nicht viel zu sagen haben.<br \/>\nGenau so entstanden Dinge wie der (umstrittene!) Vorschlag einer \u201eBill<br \/>\nof Rights\u201c f\u00fcr Secondaries von Franklin Veaux oder ein k\u00fcrzlich<br \/>\nerschienener Beitrag, der sich wie ein Lauffeuer verbreitete und<br \/>\nskizzierte, wie man mit nicht-prim\u00e4ren Partnern gut umgeht (wohlgemerkt:<br \/>\ndas sind keine Mainstream-Artikel). Diese Beitr\u00e4ge verursachen mir<br \/>\nBrechreiz. Nicht, weil der Inhalt falsch w\u00e4re, sondern \u2013 laut den<br \/>\nSecondaries, die genau diejenigen sind, denen wir hier zuh\u00f6ren sollten \u2013<br \/>\nweil es bedeutet, dass einer Reihe polyamorer Leute gesagt werden muss,<br \/>\nwie sie andere Menschen nicht wie kompletten Abfall behandeln. Diese<br \/>\nBeitr\u00e4ge sind Crash-Kurse in grundlegendem menschlichem Anstand. Dass<br \/>\nsie auch nur im Entferntesten notwendig sind, um nicht zu sagen extrem<br \/>\nverbreitet, ist wirklich verdammt beunruhigend.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte einen Moment in eine Notiz zur Terminilogie abschweifen. Ich<br \/>\nhabe ein ernsthaftes Problem mit Definitionen von \u201ePrimary\u201c, die so<br \/>\nlauten wie: \u201eDie Prim\u00e4rbeziehung ist, wenn Ihr zusammen lebt, Kinder<br \/>\nhabt, gemeinsam wirtschaftet, etc.\u201c Nein. Falsch. Ablehnung. Das ist<br \/>\neine zutieftst fehlerhafte Definition. Jedes der Elemente in dieser Art<br \/>\nder Definition von \u201ePrimary\u201c kann ebenso leicht auf eine Beziehung<br \/>\nangewendet werden, die nicht prim\u00e4r ist, oder die in diesem Sinne nicht<br \/>\nromantisch oder sexuell ist. Menschen k\u00f6nnen mit einem Mitbewohner<br \/>\nleben, mit einem platonischen Lebenspartner das Geld teilen, Kinder mit<br \/>\neinem Ex haben, mit dem sie nie sprechen, und auf der anderen Seite kann<br \/>\neine Person eine andere als Prim\u00e4rpartner sehen, auch ohne ein<br \/>\ngemeinsames Leben, Wirtschaften oder Kinder mit ihm zu haben. \u201ePrimary\u201c<br \/>\nund \u201eSecondary\u201c betreffen ein hierarchisches Beziehungsmodell, nicht die<br \/>\nspezifischen Lebensumst\u00e4nde.<\/p>\n<p>\u201ePrimary\u201c und \u201eSecondary\u201c sind nicht besonders vieldeutig, soweit es um<br \/>\ndie Ausdrucksweise geht. In diesem Sinne richte ich ein Pl\u00e4doyer an alle<br \/>\nPoly-Leute: wenn es nicht eure Absicht ist, eine Hierarchie zu schaffen<br \/>\noder anzudeuten, verwendet nicht \u201ePrimary\u201c oder \u201eSecondary\u201c als<br \/>\nKurzform. Viele von euch sind Aussenseiter, so dass Genauigkeit euch<br \/>\nwichtig sein muss, richtig? Seht es so, als wolltet ihr nicht Star Trek<br \/>\nund Star Wars oder Mac und PC vermengen. Sprecht anstelle von \u201ePrimary\u201c<br \/>\nvon eurem Partner zu Hause, eurem langfristigen Partner, dem Menschen<br \/>\nmit dem ihr am meisten Zeit verbringt, eurem Ehemann oder eurer Ehefrau<br \/>\n\u2013 was gerade zutrifft. Anstelle von \u201eSecondary\u201c nennt es<br \/>\nGelegenheitsdate oder \u2013lover, eurer Freund oder eure Freundin, geheimen<br \/>\nLiebhaber, eure j\u00e4hrliche Langzeit-Aff\u00e4re, eure neue Flamme, oder<br \/>\nandere Begriffe, die erkl\u00e4ren, was l\u00e4uft. Nichts hiervon ist<br \/>\nhierarchisch. Es beschreibt nur die Beziehung. (Ich werde meine<br \/>\nSchimpftirade dar\u00fcber verschieben, dass manche Leute denken, dass<br \/>\n\u201eEhemann\u201c und \u201eEhefrau\u201c realer seien als \u201ePartner\u201c, \u201eFreund\u201c oder<br \/>\n\u201eFreundin\u201c.) Andererseits soltet Ihr \u201ePrimary\u201c und \u201eSecondary\u201c nicht<br \/>\nvermeiden, um weniger hierarchisch zu entscheiden, wenn Ihr<br \/>\nBeziehungsentscheidungen weiterhin strikt hierarchisch trefft. Kein<br \/>\nEtikettenschwindel in irgeneiner Richtung, ok?<\/p>\n<p>Lasst mich meine Position hier auf jeden Fall klarstellen. Es ist nichts<br \/>\nfalsch an ernsthaften, langfristig verpflichteten h\u00e4uslichen<br \/>\nPartnerschaften. Es ist auch nichts Falsches an gelegentlichem Dating,<br \/>\noder daran, gelegentlich sch\u00f6ne Stunden mit einem S\u00fc\u00dfen zu genie\u00dfen,<br \/>\nwenn der viel mehr Zeit mit seinem Partner verbringt. Manchmal ist eine<br \/>\nBeziehung nicht daf\u00fcr vorgesehen, langfristig, h\u00e4uslich oder in der N\u00e4he<br \/>\nzu sein, oder sich mit den Eltern des jeweils anderen zu treffen. Das<br \/>\nist keine schlechte Sache. Es ist nur ein Fakt. Es ist ferner nicht das<br \/>\nGleiche wie \u201eSecondary\u201c zu sein. Ich spiele hier nicht mit<br \/>\nWortbedeutungen. Ich spreche \u00fcber Rahmenbedingungen f\u00fcr den Blick auf<br \/>\nBeziehungen, Entscheidungsfindungen, dem Aufstellen von Regeln \u2013 mehr<br \/>\ndazu im n\u00e4chsten Punkt -, und den Umgang mit echten, lebenden Menschen.<\/p>\n<p>3. Polyamorie erfordert eine Menge an Regeln. Wenn wir von einem Paar<br \/>\nausgehen und es weiterhin als \u201ePrimary\u201c und alles darum herum als \u201eSecondary\u201c<br \/>\nfestlegen wollen, nun, dann m\u00fcssen wir uns eine Reihe von Regeln<br \/>\nausdenken, um sicherzustellen, dass alles plangem\u00e4\u00df verl\u00e4uft, richtig?<br \/>\nRichtig. (Und da ist ziemlich sicher ein Plan.)<\/p>\n<p>Das ist ein kontrollbasierter Ansatz zur Polyamorie, der, wiewohl nicht<br \/>\nexklusiv f\u00fcr paarbasierte Primary-Secondary-Modelle, so doch schier<br \/>\nunvermeidlich in ihnen ist.<\/p>\n<p>Regeln werden implizit von den \u201ePrimaries\u201c, dem \u201ePoly-Paar\u201c festgelegt \u2013<br \/>\ndas ist wenigstens die Art, wie sie sich die meisten Regeldiskussionen<br \/>\ndarstellen. Manche B\u00fccher und Webseiten wollen dir erz\u00e4hlen, (\u201edu\u201c ist<br \/>\nmutma\u00dflich ein Teil eines gegenw\u00e4rtig mono aufgestellten auf dem Weg zum<br \/>\nPoly-Paar), dass es wirklich superwichtig ist, nicht nur Regeln zu<br \/>\nhaben, sondern ausdr\u00fccklich zu formulieren, bevor Ihr rausgeht und das<br \/>\nPolyding lebt. Wann immer Du eine Best\u00e4tigung f\u00fcr einen klaren<br \/>\nSecondary-Status der \u201eSecondary\u201c-Partner suchst, das ist er: die Regeln<br \/>\nwurden festgesetzt, bevor sie auch nur aufgetaucht sind und dabei dann<br \/>\nauch nichts zu melden haben. Nochmal\u2026 denken wir, das sei fortschrittlich?<\/p>\n<p>Hier ist der Knackpunkt. Regeln verhalten sich entgegengesetzt zu<br \/>\nVertrauen. Sie beabsichtigen, jemanden an die Priorit\u00e4ten eines anderen<br \/>\nzu binden. Sie zielen auf Einschr\u00e4nkung ab. Ich beschr\u00e4nke dich, und du<br \/>\nbeschr\u00e4nkst mich, dann sind wir beide sicher. Wenn Zwei in ihren Werten<br \/>\ngut zusammenpassen und ein starkes gegenseitiges Vertrauen haben,<br \/>\nbrauchen sie keine Regeln um zu wissen, wie jeder von ihnen sich<br \/>\nverhalten wird. Ich meine, wie oft h\u00f6rt ihr \u201eich werde nicht zustimmen,<br \/>\ndass jemand get\u00f6tet wird, wenn du zustimmst, dass niemand get\u00f6tet wird,<br \/>\nok? Das soll unsere Regel sein. Nicht t\u00f6ten.\u201c Nat\u00fcrlich nicht mit<br \/>\nPsychopathen dabei, das muss nicht erw\u00e4hnt werden; wir k\u00f6nnen davon<br \/>\nausgehen, dass jeder den Wert teilt: \u201cMenschen zu t\u00f6ten ist schlecht,<br \/>\nund ich werde es nicht tun.\u201c Aber es ist nicht das kleinste bisschen<br \/>\nungew\u00f6hnlich f\u00fcr \u201ePolypaare\u201c, ein ausgearbeitetes Regelwerk zu<br \/>\nerschaffen, das sie streng bindet, sich nur so zu verhalten, dass es<br \/>\nnicht Angst erregend, gef\u00e4hrlich und die Hauptbeziehung bedrohend ist.<br \/>\nWir k\u00fcssen niemanden, bevor wir einander nicht gefragt haben. Keine<br \/>\n\u00dcbernachtungen woanders. Wenn du sie mehr als dreimal sehen m\u00f6chtest,<br \/>\nmuss ich sie sehen. Wenn Du sie mehr als dreimal sehen m\u00f6chtest, erz\u00e4hl\u2019<br \/>\nmir nichts, es ist zuviel f\u00fcr mich, damit umzugehen. Keine Verliebtheit<br \/>\n(das l\u00e4sst mich durchdrehen in seiner schieren Absurdit\u00e4t). Liebe ist<br \/>\nokay, wenn Du ihn weniger liebst als mich. Analsex nur mit mir. Analsex<br \/>\nnur mit anderen. Du darfst nur genauso viele Dates haben wie ich. Ihr<br \/>\ngeht nicht in unser Lieblingsrestaurant. Kein Schlafen in unserem Bett.<br \/>\nUm 23 Uhr schreibst Du mir eine SMS. Ich muss dich anrufen, wenn ich von<br \/>\nihr aufbreche. Und die Kr\u00f6nung, der heilige Gral der Poly-Regeln: Wir<br \/>\nhaben ein Vetorecht! (Ich habe einen eigenen Beitrag dar\u00fcber, \u201eAgainst<br \/>\nthe Veto\u201c, in dem ich genau darlege, warum Vetorechte eine faule Idee<br \/>\nsind.) Die Krux: Secondaries sind zweitrangig, so sehr zweitrangig, dass<br \/>\neine Person, mit der sie nichtmal verpartnert sind, entscheiden kann, ob<br \/>\nund wann sie rausgeworfen werden.<\/p>\n<p>Wenn wirklich Gefahr im Spiel ist, bin ich sehr f\u00fcr Regeln. Die Regel,<br \/>\ndass man mindestens 1,60 gro\u00df sein muss, um mit dieser Achterbahn zu<br \/>\nfahren, dass man einen Schein braucht, um als Neurochirurg zu<br \/>\narbeiten&#8230; keinen ungesch\u00fctztem Analverkehr mit Fremden (beachte, dass<br \/>\ndiese Art von Regel nicht das Paar, sondern den Schutz deiner eigenen<br \/>\nkostbaren Gesundheit betrifft! ) &#8230; bei dieser Veranstaltung nicht mit<br \/>\nFeuer spielen, da die Decken niedrig und mit Luftschlangen behangen<br \/>\nsind. Aber umfangreiche Reglen um Polyamorie sind im Wesentlichen, als<br \/>\nwenn man sagte, dass Liebe (oder Sex oder Flirts) gef\u00e4hrlich seien und<br \/>\nstrengstens geregelt werden m\u00fcssten, damit niemand zu Schaden kommt. Aus<br \/>\nmeiner Sicht ist dies ist eine sehr seltsame Art der Ann\u00e4herung an die<br \/>\nM\u00f6glichkeit gro\u00dfer Freude und menschlicher Verbindung \u2013 als ob es eine<br \/>\nBombe w\u00e4re, die explodieren w\u00fcrde, wenn man sie nicht mit strikten<br \/>\nSicherheitsmassnahmen behandelte. Je mehr Regeln du einbringst, desto<br \/>\nmehr weist du darauf hin, dass du kein Vertrauen in die Person setzt,<br \/>\ndieser Regeln ungeachtet r\u00fccksichtsvoll und gem\u00e4\u00df der gemeinsamen Werte<br \/>\nzu handeln, die euch beiden am Herzen liegen. Oder umgekehrt, du zeigst,<br \/>\ndass du unter strenger Aufsicht sein musst, weil du sonst auf das<br \/>\nWohlbefinden deines Partners schei\u00dfen w\u00fcrdest. Wenn du ein Gesetz<br \/>\nerlassen musst, heisst das, dass du nicht nicht erwartest, dass es ohne<br \/>\nGesetzgebung passieren w\u00fcrde. Dies ist ein trauriger Stand der Dinge f\u00fcr<br \/>\neine Sache, die angeblich eine liebevolle, m\u00f6glicherweise langfristige<br \/>\nBeziehung sein soll.<\/p>\n<p>Sind Regeln nie eine gute Sache? Ich w\u00fcrde nicht so weit gehen. Sie<br \/>\nk\u00f6nnen ein notwendiges \u00dcbel sein, eine vor\u00fcbergehende Ma\u00dfnahme, um euch<br \/>\ndurch eine harte Zeit zu bringen, in der ihr hoffentlich an einer<br \/>\nbesseren L\u00f6sung arbeitet. Was ihr tut, nicht wahr? Gerade jetzt.<br \/>\nRichtig? Aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel k\u00f6nnen Regeln angenehm<br \/>\nsein oder erotisch (etc.) aufgeladen, wie in einer D\/S oder M\/S<br \/>\nBeziehung , obwohl diese nat\u00fcrlich auch, wenn aus Angst verh\u00e4ngt oder<br \/>\nals ein Weg, Strafe zu vermeiden, eine Form der unethischen Bindung sein<br \/>\nkann, um den Unsicherheiten einer Person Einhalt zu gebieten auf Kosten<br \/>\neiner anderen. Aber abgesehen von diesen sehr spezifischen und<br \/>\numschriebenen F\u00e4llen sind Regeln am besten, wenn sie recht sparsam<br \/>\nverwendet werden und auch dann nur, wenn andere L\u00f6sungen nicht verf\u00fcgbar<br \/>\nsind.<\/p>\n<p>Von welchen anderen L\u00f6sungen rede ich? Vertrauen. Schlicht und<br \/>\neinfach. Vertrauen ist der Boden, auf dem Polyamorie wachsen sollte,<br \/>\n\u00e4hnlich wie jede andere Art von Liebe. Sag, was du meinst, immer und<br \/>\nalles. Folge deinen Verpflichtungen. Mach keine Versprechungen, die du<br \/>\nnicht halten kannst. Gehe immer von der positiven Absicht aus. Stelle<br \/>\nFragen. Zuh\u00f6ren, zuh\u00f6ren, zuh\u00f6ren. Stelle mehr Fragen und h\u00f6re noch<br \/>\nmehr zu. Beruhige \u00c4ngste. Arbeite an deinen eigenen Unsicherheiten an<br \/>\ndem Ort, von dem sie ausgehen &#8211; innerhalb deiner selbst. Sei freundlich.<br \/>\nSei konsequent. Sei gro\u00dfz\u00fcgig. Stehe explizit f\u00fcr das ein, was du<br \/>\nwillst. Sag deutlich, was du brauchst. Entschuldige dich, wenn du etwas<br \/>\nvermasselt habst, und versuche, es zu beheben. Finde Strategien, deine<br \/>\nSchw\u00e4chen zu kompensieren, wie Vergesslichkeit oder Angst oder Mangel an<br \/>\nemotionalem Vokabular oder was sonst im Weg steht, all dies geschickt zu<br \/>\nl\u00f6sen. Ja, das wird eine Menge Arbeit sein. Tue es trotzdem. Noch besser<br \/>\nw\u00e4re es, wenn du es tust, weil die Arbeit selbst Freude bringt und dich<br \/>\nf\u00fchlen l\u00e4sst, wie du dich durch die Welt bewegst in einer Weise, die<br \/>\nzutiefst richtig ist. Wenn du an einem Punkt Chaos erzeugt hast, und es<br \/>\ndeine(n) Partner verletzt hat, versuche es zu heilen. Macht die Arbeit<br \/>\nzusammen. Holt euch Paartherapie. \u00dcbt neue Kommunikationsf\u00e4higkeiten<br \/>\nzusammen ein. Investiert Zeit, Energie und M\u00fche, um den Boden gesund und<br \/>\nnahrhaft zu machen, anstatt in Z\u00e4une rund um den Garten zu investieren.<\/p>\n<p>Von dort aus kannst du alle Arten von Verhaltensweisen verlangen, ohne<br \/>\ndass es Regeln sein m\u00fcssen. Du k\u00f6nntest sagen: &#8222;Ich bin wirklich daran<br \/>\ninteressiert, Deinen neuen Liebhaber kennenzulernen! K\u00f6nnen wir uns<br \/>\nn\u00e4chste Woche zum Tee treffen?&#8220; oder &#8222;Hey, kannst mir &#8217;ne SMS schicken,<br \/>\nwenn du auf dem Weg nach Hause bist, damit ich wei\u00df, wann ich das<br \/>\nAbendessen bereitstellen soll?&#8220; oder &#8222;Es w\u00fcrde mir Freude machen und<br \/>\nich w\u00fcrde mich als etwas Besonderes f\u00fchlen, wenn wir eine Marke Wein<br \/>\nh\u00e4tten, die nur wir miteinander trinken w\u00fcrden&#8220; oder sogar: &#8222;Ich habe<br \/>\nAngst, dich zu verlieren und ich brauche eine gewisse Sicherheit.&#8220; Auch<br \/>\ndies ist nicht nur Semantik. Diese anderen Formen der Beziehung sind<br \/>\nnicht &#8222;nur wie Regeln.&#8220; Sie sind Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Freude und<br \/>\nAchtsamkeit, nicht Kontrolle und Grenzen und Angst. Was hier z\u00e4hlt, ist<br \/>\ndie Absicht.<\/p>\n<p>4. Polyamorie ist heterosexuell(artig). Auch niedlich und jung und<br \/>\nwei\u00df. Ebenfalls neu und spannend und sexy! Dieses Element der<br \/>\nPolynormativit\u00e4t bezieht sich nicht direkt auf die anderen drei, aber da<br \/>\nwir hier \u00fcber die Darstellung in den Medien reden, lohnt es sich, dies<br \/>\nzu erw\u00e4hnen. Polyamorie wird in den Medien entschieden vorgestellt als<br \/>\netwas, das Heterosexuelle tun, au\u00dfer manchmal noch bisexuelle Frauen,<br \/>\ndie einen prim\u00e4ren m\u00e4nnlichen Partner haben und sekund\u00e4re weibliche<br \/>\nPartner. Es ist \u00e4u\u00dferst selten, dass lesbische, schwule oder queere<br \/>\nPoly-Konfigurationen in Mainstream-Darstellungen von Polyamory<br \/>\naufgenommen werden, obwohl LGBQ*-Kreise absolute Brutst\u00e4tten von<br \/>\npolyamoren Aktivit\u00e4t sind, und LGBQ-Menschen eine lange und<br \/>\nruhmreiche Geschichte der Nicht-Mono-Beziehungen haben, der j\u00fcngsten<br \/>\nBegeisterung f\u00fcr die Ehe zum Trotz. An beinahe jedem LGBQ Sammelplatz<br \/>\nselbst ist der Mainstream zu Hause &#8211; und man kann auf kleinstem Raum<br \/>\nmindestens ein halbes Dutzend Menschen treffen, die eine Art von Nicht-<br \/>\nMono-Beziehungen praktizieren, von regelm\u00e4\u00dfigen<br \/>\nBadehaus-Abenteuern bis hin zu kompletten Poly-Familien. Es ist so<br \/>\nverbreitet, dass es sich normal anf\u00fchlt.<br \/>\n(*Steht f\u00fcr: Lesbian, gay, bisexual, queer)<\/p>\n<p>Aber wenn die Mainstream-Medien zu viele Kolumnen zu LGBQ Polyamorie<br \/>\nbringen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden die Menschen vielleicht denken, Poly sei<br \/>\neine Homosexuellen-Sache, und das w\u00e4re nicht ann\u00e4hernd so gut zu<br \/>\nverkaufen. Also der typische polynormative Hype-Artikel geht ungef\u00e4hr<br \/>\nso: &#8222;Lernen Sie Bob und Sue kennen. Sie sind ein Poly-Paar. Sie sind<br \/>\nprim\u00e4re Partner und sie treffen sich gemeinsam mit anderen Frauen.&#8220;<br \/>\nOder: &#8222;sie beide treffen Frauen nebenbei&#8220; oder &#8222;sie veranstalten<br \/>\nSex-Partys in ihrem Keller &#8220; oder manchmal, wenn auch seltener, &#8222;Bob<br \/>\ntrifft Frauen und Sue andere M\u00e4nner.&#8220; Mainstream-Darstellungen brechen<br \/>\nselten die &#8222;ein Penis pro Party&#8220;-Regel, und das ist genau so<br \/>\nbeleidigend, wie es sich anh\u00f6rt. Sie h\u00f6ren nie davon, wie sich Bob mit<br \/>\nDave oder Sue mit Tim und Jim und John trifft, w\u00e4hrend Bob zu Hause<br \/>\nbleibt und einen Film schaut. Weil &#8211; boa! Das geht ja wirklich zu weit.<br \/>\nIch meine, das Spiel mit Frauen ist eine Sache, aber wenn man ihm einen<br \/>\nzweiten Mann vorsetzt, m\u00fcssen dann nicht die beiden Jungs \u2013 wie sagt man<br \/>\n\u2013 es unter sich ausfechten? Beweisen, wer m\u00e4nnlicher ist? Wegen der<br \/>\nEvolutionspsychologie! Wegen der Natur! Denn wenn ein Penis (und nur ein<br \/>\nPenis) beteiligt ist, ist das echter Sex, und das bedeutet eine echte<br \/>\nBeziehung, und wir m\u00fcssen eine echte Beziehung haben, damit es eine<br \/>\nPrimary-Secondary-Struktur gibt, und wir m\u00fcssen eine<br \/>\nPrimary-Secondary-Struktur haben, um ein Poly-Paar zu sein! (Hmm. Also<br \/>\nbezieht sich dieser Punkt am Ende vielleicht doch auf meine anderen drei<br \/>\nPunkte.)<\/p>\n<p>All dies schafft eine Situation, wo Polyamorie als hipper neuer Trend<br \/>\nvorgestellt wird, den junge, hippe Heteros ausprobieren, und Junge,<br \/>\nJunge, wie stolz sie darauf sind! Unn\u00f6tig zu sagen, dass all dies von<br \/>\nAhnungslosigkeit Schwule betreffend bis hin zu geradezu beleidigend<br \/>\nvariiert.<\/p>\n<p>Die Mainstream-Medien haben den Wunsch, Bilder von Menschen zu zeigen,<br \/>\ndie poly, niedlich, jung und wei\u00df sind, und wir bekommen immer ein sehr<br \/>\nbegrenztes Bild. Die Zeitschriften wollen Leute pr\u00e4sentieren, die auf<br \/>\nkonventionelle Weise so attraktiv wie m\u00f6glich sind, zwischen 20 und 40<br \/>\nJahre alt, und so gut wie nie anderen als der kaukasischen Rasse<br \/>\nzugeh\u00f6rig (es sei denn, sie sind Farbige, die, du wei\u00dft schon, wirklich<br \/>\nexotisch und sexy sind, wie Schwarze voller Glut, oder wundersch\u00f6ne<br \/>\nasiatische Frauen). Das ist eine Schande, weil die Geschichten von<br \/>\nMenschen, die in ihren 60ern und 70ern sind, ganz erstaunlich anzuh\u00f6ren<br \/>\nw\u00e4ren. Und nein, nicht alle Polys sind wei\u00df, aber wenn \u201ewei\u00df\u201c das<br \/>\neinzige Bild ist, das die Leute von Poly sehen, schafft dies sicherlich<br \/>\neine Barriere, die Farbige entmutigt, sich als potentielle Polys zu<br \/>\nbetrachten.<\/p>\n<p>Die Medien sind auch h\u00f6chst interessiert am \u201esexy\u201c Faktor. Die starke<br \/>\nWirkung, die die Kamera-Freundlichkeit einer bestimmten Person auf die<br \/>\nBereitschaft der Medien hat, diese zu pr\u00e4sentieren, darf nicht<br \/>\nuntersch\u00e4tzt werden. Und damit kommt der Zwang, so viel wie m\u00f6glich zu<br \/>\nsexualisieren. Ich werde zum Beispiel nie vergessen, was geschah, als<br \/>\nich vor etwa zehn Jahren im Ch\u00e2telaine-Magazin mit einem Partner<br \/>\nvorgestellt wurde. Der Fotograf \u00fcbte ziemlichen Druck auf mich aus, f\u00fcr<br \/>\ndie Aufnahmen mein Top auszuziehen und versicherte mir dabei, das w\u00e4re<br \/>\ngeschmackvoll. Als ich ihn fragte, warum er einen Blickwinkel w\u00e4hle, der<br \/>\nHaut zeige, antwortete er: \u201e Weil du nicht h\u00e4\u00dflich bist. Es ist wirklich<br \/>\nschwierig, Leute zu fotografieren, die h\u00e4\u00dflich sind.\u201c \u00c4hm, danke? Meine<br \/>\nBluse blieb zu, aber, offensichtlich jung, wei\u00df und niedlich, waren wir<br \/>\nimmer noch das Ereignis des Tages, denn sie r\u00e4umten meinem Bild immer<br \/>\nnoch mehr Platz ein als den anderen Leuten, die in dem Artikel<br \/>\nvorgestellt wurden. Du wei\u00dft schon, den \u201eH\u00e4\u00dflichen\u201c. Igitt.<\/p>\n<p>Versteh mich nicht falsch. Sex und Anziehung sind erhebliche Kr\u00e4fte in<br \/>\nPoly-Beziehungen. Dagegen ist nichts zu sagen, und ich sehe keine<br \/>\nNotwendigkeit, dir all dies \u201ees geht nicht um den Sex\u201c zuzumuten. Es<br \/>\ngeht um den Sex, zumindest f\u00fcr die meisten von uns. Aber es geht nicht<br \/>\nnur um den Sex. Ginge es nur um den Sex, w\u00e4re es nicht Polyamorie \u2013 es<br \/>\nw\u00e4re in der Gegend herumschlafen, was prima ist, aber in der Regel nicht<br \/>\nverpflichtend und romantisch. Wenn es nie um Sex ginge, w\u00e4re es<br \/>\nebenfalls nicht Polyamorie \u2013 wir w\u00e4ren nur ein paar Freunde, was ebenso<br \/>\nprima ist, aber in der Regel ebenso wenig romantisch, wenn auch<br \/>\nm\u00f6glicherweise verbindlich. Aber die Medien sind wirklich schlecht im<br \/>\nWahren dieser Balance. Der Mainstream ist eher an Orgien interessiert,<br \/>\ndaran, wer mit wem und wie oft schl\u00e4ft, und Wow! Dreier! Und habe ich<br \/>\nerw\u00e4hnt, jung, niedlich und wei\u00df?<\/p>\n<p>Diese Artikel versuchen uns eine Fantasie von konventionell gut<br \/>\naussehenden Leuten zu pr\u00e4sentieren, mit leckerem transgressivem (aber<br \/>\nnicht be\u00e4ngstigend transgressivem) Sex, w\u00e4hrend sie so dicht wie unter<br \/>\ndiesen Umst\u00e4nden nur menschenm\u00f6glich innerhalb der Grenzen konventionell<br \/>\npaar-basierter Beziehungsgebilde bleiben. Diese Fantasie verkauft sich.<br \/>\nDas tut dem Rest von uns keinen Gefallen.<\/p>\n<p>&#8211; Ich f\u00fcge nun (eine Woche nach dem urspr\u00fcnglichen Beitrag) diesen<br \/>\nAbschnitt hinzu, weil jetzt ein paar Leute die Frage aufgeworfen haben,<br \/>\nwarum ich die Abk\u00fcrzung LGBQ ohne das T f\u00fcr transgender\/transsexuell<br \/>\nbenutzt habe. Beim Versuch, meinen Blick eng auf das Thema<br \/>\n\u201ePolynormativit\u00e4t\u201c als der medialen Darstellung eines bestimmten<br \/>\nBeziehungsmodells zu richten, und auf die Probleme sowohl des Modells<br \/>\nals auch seiner Darstellung \u2013 wobei \u201eeng\u201c schon ein bisschen weit<br \/>\nhergeholt ist angesichts der L\u00e4nge dieses Posts \u2013 bin ich nicht auf die<br \/>\nbreitere Liste der Wege eingegangen, auf denen Polynormativit\u00e4t andere<br \/>\nArten der Auslassungen und Normativit\u00e4ten unterst\u00fctzt. Diese editorische<br \/>\nWahl treffend, mag ich selbst verschiedene dieser Auslassungen<br \/>\nfortgesetzt haben. Das verlangt nat\u00fcrlich nach einer Kl\u00e4rung. (Einiges<br \/>\ndes nun Folgenden erscheint in den Kommentaren, so dass ihr es<br \/>\nwiederholt sehen werdet, wenn ihr diese auch lest.)<\/p>\n<p>Also gut: ich f\u00fchle mich zunehmend unwohl mit der Abk\u00fcrzung LGBTQ, weil<br \/>\ndie Einf\u00fchrung eines T f\u00fcr \u201eTransgender\u201c (einer geschlechtlichen<br \/>\nIdentit\u00e4t) am Ende einer Liste von Buchstaben, die f\u00fcr sexuelle<br \/>\nOrientierungen stehen (nicht f\u00fcr Geschlecht), eine zwangsl\u00e4ufige<br \/>\nUngenauigkeit in sich tr\u00e4gt. Schwule, Lesben, Bisexuelle und queere<br \/>\nMenschen k\u00f6nnen trans sein oder nicht-trans, und transsexuelle Menschen<br \/>\nk\u00f6nnen nat\u00fcrlich schwul, lesbisch, bisexuell oder hetero (und sonst wie)<br \/>\norientiert sein. Nicht alle Transsexuellen f\u00fchlen sich schwuler,<br \/>\nlesbischer, bisexueller oder queerer Politik verbunden, oder den<br \/>\nentsprechenden Gemeinschaften, und nicht alle Menschen mit einer<br \/>\nGeschichte des \u00dcbergangs haben das Bed\u00fcrfnis, sich offen als transgender<br \/>\nzu bezeichnen, selbst dann nicht, wenn sie sich als schwul, lesbisch<br \/>\noder queer identifizieren. Ich habe kein Problem damit, LGBTQ zu<br \/>\nbenutzen, um beispielsweise einer Zeitschrift oder einer Gruppe oder<br \/>\neinem Ausschuss oder was auch immer, den Sachverhalt zu beschreiben,<br \/>\nvorausgesetzt, das Unternehmen dient tats\u00e4chlich all den Leuten, die<br \/>\ndurch diese Abk\u00fcrzung repr\u00e4sentiert werden, statt nur zu versuchen,<br \/>\nbesonders progressiv zu wirken. In diesem Beitrag spreche ich \u00fcber<br \/>\nOrientierung, nicht \u00fcber Geschlechtsidentit\u00e4t, so dass es sich ungenau<br \/>\nanf\u00fchlte (und immer noch ungenau anf\u00fchlt), das T in diese spezifische<br \/>\nListe aufzunehmen.<\/p>\n<p>Aber das bedeutet nicht, dass Trans-Menschen keinen Platz in dieser<br \/>\nDiskussion h\u00e4tten. Ganz im Gegenteil. Das polynormative Modell setzt<br \/>\nauch Cisnormativit\u00e4t fort, und das auf zweierlei Weise. (Cisnormativit\u00e4t<br \/>\nist die Idee, dass alle Menschen bei ihrer Geburt einem bestimmten<br \/>\nGeschlecht zugeordnet werden und sich sp\u00e4ter immer noch mit diesem<br \/>\nGeschlecht identifizieren und im Ergebnis eine \u201eangemessene\u201c<br \/>\ngeschlechtliche Identit\u00e4t ausdr\u00fccken, und dass alles andere seltsam oder<br \/>\nschlecht ist.) Eine Folge ist das Element der medialen Repr\u00e4sentation \u2013<br \/>\nTrans-Menschen tauchen in der medialen Repr\u00e4sentation des Mainstreams<br \/>\nvon Polyamorie kaum auf. Das ist Cisnormativit\u00e4t durch Auslassung. Der<br \/>\nandere, komplexere Teil wird deutlich, wenn wir ein wenig tiefer in die<br \/>\nBetrachtung der Regel \u201eEin Penis pro Party\u201c einsteigen, und darin, wie<br \/>\nwir sexuelle Orientierung verstehen. \u201eEin Penis pro Party\u201c beruht auf<br \/>\nder Idee, dass \u201ePenis\u201c als Kurzform f\u00fcr \u201eMann\u201c verwendet werden kann,<br \/>\nweil M\u00e4nner immer Penisse haben, und weil nur M\u00e4nner Penisse haben. Dies<br \/>\nber\u00fccksichtigt nat\u00fcrlich nicht die Erfahrungen zahlreicher<br \/>\nTranssexueller, f\u00fcr die Genitalien und Geschlecht nicht \u00fcbereinstimmen,<br \/>\nsei es, weil sie M\u00e4nner sind, die nicht mit Penissen geboren wurden,<br \/>\noder weil sie Frauen sind, bei denen es andersherum war (unabh\u00e4ngig<br \/>\ndavon, wie die Genitalien einer Person am jetzigen Punkt ihres Lebens<br \/>\naussehen, oder welche Worte sie f\u00fcr sie verwenden).<\/p>\n<p>\u201eEin Penis pro Party\u201c beruht im weiteren Sinne auch auf der Idee, dass<br \/>\nM\u00e4nner und Frauen nat\u00fcrlicherweise auf irgendeine essentielle,<br \/>\ngrundlegende, biologisch basierte Art voneinander unterschieden sind, so<br \/>\ndass die (in diesem Fall sekund\u00e4re) Beziehung mit einem Mann<br \/>\nsubstanziell anders sein wird als die mit einer Frau, weil eben mit<br \/>\neinem Mann, bzw. anderenfalls, weil eben mit einer Frau. Diese Idee<br \/>\nendet an diesem Punkt, weil sie von vornherein definiert, wie die<br \/>\nBeziehung sein wird \u2013 wie \u201eecht\u201c der Sex sein wird, wie intensiv die<br \/>\nGef\u00fchle \u00fcberhaupt sein k\u00f6nnen, und wie \u201esicher\u201c es infolgedessen ist,<br \/>\neinem Hauptpartner zu \u201eerlauben\u201c, sich in dieser Beziehung zu<br \/>\nengagieren. Dies gilt nicht f\u00fcr die m\u00f6gliche Anwesenheit von<br \/>\nTranssexuellen in dieser Gleichung. Aber auch, wenn dieses sich aus<br \/>\nirgendeinem Grund in einer gegebenen Situation nicht verwirklicht,<br \/>\nspricht das f\u00fcr einen Gesichtspunkt, in dem Frauen und M\u00e4nner<br \/>\nnat\u00fcrlicherweise wegen ihrer Anatomie entweder dies sind oder jenes.<br \/>\nDies h\u00e4lt, als ein konzeptionelles Modell, Transsexuelle \u2013 selbst wenn<br \/>\ndu keinen kennst (dies zur Kenntnisnahme!) und auch keine Gelegenheit<br \/>\nhast, einen kennenzulernen \u2013 in den Schubladen fest, die ihnen bei ihrer<br \/>\nGeburt zugewiesen wurden. Es impliziert, dass das Geschlecht, zu dem sie<br \/>\nsich entwickelt haben, irgendwie weniger real oder g\u00fcltig ist. Dies<br \/>\nbetrifft auch das weite Spektrum der Leute, die nicht trans sind \u2013 ob<br \/>\ncissexuell, oder, wie ich, gender-fluid oder sonst irgendetwas in der<br \/>\nnicht-bin\u00e4ren Spannbreite \u2013, festgelegt auf die ihnen bei ihrer Geburt<br \/>\nzugewiesenen Schubladen, darauf bestehend, dass diese Schubladen dar\u00fcber<br \/>\nbestimmen, wer wir sind, wer wir sein k\u00f6nnen, wie wir ficken k\u00f6nnen, und<br \/>\nwie es ist, mit uns romantisch verbunden zu sein. Letztlich verletzt<br \/>\nCisnormativit\u00e4t jeden. Die Leute enden meist in hohem Ma\u00dfe besch\u00e4digt<br \/>\nals diejenigen, die h\u00f6chstm\u00f6glich sichtbar unterscheidbar sind, was oft<br \/>\nTrans-Frauen betrifft. Aber Cisnormativit\u00e4t ist keineswegs \u201enur\u201c ein<br \/>\nTrans-Thema. Dies ist ein Thema, um den Raum zu schaffen f\u00fcr alle von<br \/>\nuns, so zu sein, wie wir sein wollen.<\/p>\n<p>Wie jedes normative Modell arbeitet Polynormativit\u00e4t im Zusammenspiel<br \/>\nmit einer Reihe anderer normativer Modelle, um \u2013 wenngleich selten<br \/>\nausdr\u00fccklich \u2013 in den K\u00f6pfen der Menschen ein umfassendes Bild dar\u00fcber<br \/>\nzu schaffen, wie die Welt funktioniert, dar\u00fcber, wer z\u00e4hlt, und wer<br \/>\nnicht, dar\u00fcber, was wirklich ist, und wor\u00fcber es nicht lohnt sich<br \/>\nGedanken zu machen. Als solches Bild, zus\u00e4tzlich zu den Fragen der<br \/>\nRasse, des Alters und Orientierung, wie ich zuvor ausgef\u00fchrt habe, und<br \/>\ndes Geschlechts, wie ich es hier konkretisiert habe, geht dies Hand in<br \/>\nHand mit anderen problematischen Vorstellungen. Vorstellungen dar\u00fcber,<br \/>\nwas Familie ist oder sein sollte, und wie Kinder als Gleiche<br \/>\nfunktionieren k\u00f6nnen oder sollten; Fragen von Krankheit\/Gesundheit und<br \/>\nVerm\u00f6gen\/Unverm\u00f6gen, den Status sexuell \u00fcbertragbarer Krankheiten<br \/>\neinschlie\u00dfend; Fragen der gesellschaftlichen Klasse und \u00f6konomischen<br \/>\nPosition; und eine Reihe anderer. Aber, wie schon ein Kommentator<br \/>\nanmerkte, dies ist ein Blog-Post und nicht ein Buch. Und doch\u2026<\/p>\n<p>(Ende des neuen Abschnitts!)<\/p>\n<p>***<br \/>\nIn der Summe habe ich drei wesentliche Probleme mit Polynormativit\u00e4t.<\/p>\n<p>Erstes Problem: das polynormative Modell ist irgendwie beschr\u00e4nkend.<br \/>\nVielleicht k\u00f6nnte es, iiirgendwieee, f\u00fcr einige Leute funktionieren \u2013<br \/>\nich will nicht soweit gehen zu sagen, dass k\u00f6nnte es auf gar keinen<br \/>\nFall. Aber es geht mit einer Vielzahl von Problemen einher f\u00fcr all<br \/>\ndiejenigen, die damit zu tun kriegen, am ehesten bemerkbar f\u00fcr<br \/>\ndiejenigen mit der schw\u00e4chsten Stellung innerhalb einer<br \/>\nBeziehungsstruktur, doch ebenso in subtilerer und heimt\u00fcckischerer Weise<br \/>\nf\u00fcr diejenigen, die an einem privilegierteren Platz in dieser Struktur<br \/>\nstehen. Meine G\u00fcte, was meint ihr, das ist doch so ziemlich dasselbe wie<br \/>\nin jedem System der Privilegiertheit \/ Unterdr\u00fcckung! Ich werde wohl<br \/>\naufh\u00f6ren, kurzerhand polynormativen Leuten zu sagen: \u201eHey, ihr macht es<br \/>\nfalsch!\u201c, aber, naja, ehrlich? Weit davon entfernt bin ich nicht. Mag<br \/>\nsein, n\u00e4her an: \u201eIhr \u00fcberseht den entscheidenden Punkt.\u201c<\/p>\n<p>Wegen dieser Haltung, vermute ich, k\u00f6nnte ich einige w\u00fctende oder<br \/>\ndefensive Kommentare einer Menge polynormativer Leute erhalten, die sich<br \/>\nganz toll mit ihrem Modell f\u00fchlen. Denen m\u00f6chte ich folgendes sagen:<br \/>\nwenn du ein Teil eines Primary-Paares in einem polynormativen Modell<br \/>\nbist, und dein(e) \u201esecondary\u201c-Partner verteidigen dieses Modell genauso<br \/>\nvehement wie du, oder sogar noch mehr \u2013 keine Verteidigung von euch als<br \/>\nIndividuen, oder Eurer Beziehung, sondern des polynormativen Modells als<br \/>\nsolches \u2013 ohne irgendetwas auszulassen oder ein wenig zu flunkern, um<br \/>\nkeine Konflikte zu riskieren oder oder dich als Partner zu verlieren,<br \/>\ndann f\u00e4llst du unter die Minderheit derjenigen polynormativen Leute, f\u00fcr<br \/>\ndie dieses Modell tats\u00e4chlich funktioniert, und zwar super gut f\u00fcr alle<br \/>\nBeteiligten. (Und ich meine Alle. Wenn es nur f\u00fcr das Primary-Paar<br \/>\nwirklich gut funktionieren sollte, dann funktioniert das Modell gar<br \/>\nnicht.) Wenn du in dieser Weise verbunden bist, dann gibt es keinen<br \/>\nGrund, in Verteidigungshaltung zu gehen \u2013 dann kritisiere ich dich nicht<br \/>\nwirklich und in keiner Weise. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, gib<br \/>\ndeine Verteidigungshaltung auf und denke ernsthaft \u00fcber die<br \/>\nKritikpunkte nach, die ich hier dargelegt habe.<\/p>\n<p>Falls ich beginnen sollte, in den Mainstream-Medien eine F\u00fclle an<br \/>\nZeugnissen von gl\u00fccklichen, erf\u00fcllten Secondary-Partnern dahingehend zu<br \/>\nsehen, wie genial das Primary-Secundary-Modell ist\u2026 Wenn diese<br \/>\nSecondaries beginnen, die neuesten Hits an Polyb\u00fcchern zu schreiben und<br \/>\ndort Rat geben, die Hauptrollen in Reality-TV-Shows haben, und dies<br \/>\nalles als Secondaries tun (nicht als Leute, die gelegentlich f\u00fcr<br \/>\njemanden Secondary sind, aber das ist alles okay und ausbalanciert und<br \/>\nfair, weil sie ausserdem f\u00fcr jemand anderen Primary sind)\u2026 dann sollten<br \/>\nsie ihr Gesicht in Fotos zeigen, ihren vollen und realen Namen in<br \/>\nArtikeln verwenden, und sich generell nicht im geringsten komisch f\u00fchlen<br \/>\nangesichts ihrer Position in diesen Poly-Strukturen direkt neben den<br \/>\nPrimary-Partnern, die als solche dargestellt werden\u2026 wenn dies nicht<br \/>\neine gelegentliche Ausnahme, sondern die \u00fcbliche Weise der<br \/>\nRepr\u00e4sentation ist, die ich von und \u00fcber Secondary-Partner sehe\u2026 dann<br \/>\nwerde ich m\u00f6glicherweise meine Haltung hier \u00e4ndern. Ich halte aber nicht<br \/>\ndie Luft an.<\/p>\n<p>Zweites Problem: die Medien pr\u00e4sentieren diese Normen als, nun ja,<br \/>\nNormen. Als den K\u00f6nigsweg, poly zu leben. Im besten Fall gibt es eine<br \/>\nkurze Erw\u00e4hnung, dass einige Leute Poly auf eine andere Weise leben,<br \/>\nirgendwo da draussen, und wir verstehen sie nicht wirklich, oder<br \/>\nm\u00f6glicherweise sind diese Formen zu kompliziert f\u00fcr uns, um sie in einem<br \/>\n1000-Worte-Artikel zusammenzufassen. (Triaden! Quartette! Familien! Ws<br \/>\nund Xe und Buchstaben aus dem griechischen Alphabet und Konstellationen<br \/>\nund \u00d6kosysteme! Das ist alles so unheimlich. Und au\u00dferdem ist Mathe<br \/>\nschwierig.)<\/p>\n<p>Doch in der Regel werden \u201eandere\u201c (oh, guck dir diese Konstruktion an!)<br \/>\nArten von Poly \u00fcberhaupt nicht erw\u00e4hnt. Es gibt diesen einen Weg, und<br \/>\nhier ist er! Ist das nicht gro\u00dfartig? So tapfer! So ungew\u00f6hnlich!<br \/>\nWirklich sehr innovativ, meinst du nicht auch? Ob nun beabsichtigt oder<br \/>\nnicht, endet dieser Ansatz in einer Abflachung des Bildes von Poly, der<br \/>\nDarstellung in einfachsten, verdummenden Begriffen. Es ist kein Zufall,<br \/>\ndass diese Version von Poly diejenige ist, die am meisten der ein-Mann-eine-Frau,<br \/>\nheiratsbasierten, kernfamilienartigen Form \u00e4hnelt, von der<br \/>\nuns allen erz\u00e4hlt wurde, dass wir sie anstreben sollten. Alles, was wir<br \/>\ngetan haben, ist, die Regeln um den Sex herum etwas zu lockern, und im<br \/>\nGegensatz (doch nicht zu sehr im Gegensatz) zur Swinger-Ethik,<br \/>\n\u201eerlauben\u201c wir auch dem emotionalen Ende der Dinge zu existieren in dem<br \/>\nSinne, dass wir Beziehungen haben und nicht \u201enur\u201c bumsen. Aber nicht die<br \/>\nArt von Beziehung, die das \u201ePrimary\u201c-Paar \u201ebedrohen\u201c (?!) k\u00f6nnte. Nicht<br \/>\nmit Leuten, die, Gott bewahre, Forderungen an einen oder beide von uns<br \/>\nstellen k\u00f6nnten, oder uns behelligen, oder mitreden wollen, wie die<br \/>\nDinge zu laufen haben.<br \/>\nDenn dann, nicht wahr, bekommen sie einen Tritt, weil die Primaries<br \/>\nschlie\u00dflich zuerst kommen! Darauf k\u00f6nnen wir uns doch alle einigen,<br \/>\noder? Nat\u00fcrlich. Das ist die Essenz der prim\u00e4ren Beziehungen. Dies ist<br \/>\nziemlich klar in seiner Terminologie. Eine Person kommt zuerst, die<br \/>\nanderen nicht. Dies ist der Grund, warum der Mainstream Poly \u00fcberhaupt<br \/>\nin den Kopf bekommt: weil es, auf diese Weise verstanden, wirklich nicht<br \/>\nso grundverschieden von Monobeziehungen ist.<\/p>\n<p>Drittes Problem: diese ganze Sachlage wirkt sehr nachteilig auf die<br \/>\nNeulinge. Wegen dieser \u00fcberw\u00e4ltigenden Schieflage in der medialen<br \/>\nDarstellung werkeln eine Menge Leute, f\u00fcr die Poly neu ist, mit gro\u00dfen<br \/>\nSchwierigkeiten vor sich hin.<\/p>\n<p>Ich bin nicht gerade jemand, der die Vergangenheit idealisieren w\u00fcrde,<br \/>\naber Junge Junge, was war das f\u00fcr ein Unterschied gegen\u00fcber der Zeit vor<br \/>\nzehn oder f\u00fcnfzehn Jahre. Wenn du zu meiner Zeit (ha!) etwas \u00fcber Poly<br \/>\nlernen wolltest, gab es nur eine Quelle: The Ethical Slut von Dossie<br \/>\nEaston und Catherine A. Liszt (als welche Janet Hardy zu der Zeit<br \/>\nbekannt war). Das war in Ordnung. Nicht perfekt. Stark schr\u00e4g in<br \/>\nRichtung Sex-Party-Besucher-Bay-Area-M\u00fcsli-Typen und geschrieben in<br \/>\nsolch einer bodenst\u00e4ndigen Sprache, dass es \u00fcber niemandes Kopf<br \/>\nhinweggehen w\u00fcrde, aber insgesamt ziemlich solide, und sehr zum<br \/>\nNachdenken anregend. Deborah Anapol\u2019s Polyamory: The New Love Without<br \/>\nLimits war nicht ann\u00e4hernd so popul\u00e4r oder sexy, aber es wurde zu einem<br \/>\nziemlichen Klassiker und beleuchtete einen anderen Blickwinkel. Und, na<br \/>\nja, das war es dann. Jenseits dessen gab es ein paar<br \/>\nOnline-Diskussionsforen und m\u00f6glicherweise, wenn du in einer gro\u00dfen<br \/>\nStadt lebtest, lokale Real-Life-Polygruppen. Das bedeutete, dass, wenn<br \/>\ndu herausbekommen wolltest, wie du Poly leben k\u00f6nntest, du das meiste<br \/>\nselbst ausprobieren musstest (was ein gute Sache sein kann, wenn auch<br \/>\nbesonders anspruchsvoll); dass du mit Leuten aus deiner lokalen<br \/>\nGemeinschaft sprechen musstest, die vielleicht recht klein war, aber<br \/>\nwahrscheinlich auch ziemlich warm und unterst\u00fctzend, oder irgendwo weit<br \/>\nweg eine Konferenz besuchen musstest, die eine Gruppe von Leuten<br \/>\nzusammenbrachte. Und diese Leute lebten vielleicht auf alle m\u00f6glichen<br \/>\nArten poly, mit primary-secondary als blo\u00df einer davon. (Schon damals<br \/>\nwar das verdammt gebr\u00e4uchlich, so dass ich nicht sagen m\u00f6chte,<br \/>\nPolynormativit\u00e4t sei v\u00f6llig neues Problem \u2013 es ist nur schlimmer denn je.)<\/p>\n<p>Jetzt kannst du jedoch \u201epolyamory\u201c googlen und eine ganze Menge an<br \/>\nnahezu identischen polynormativen Hype-Artikeln erhalten, und du kannst<br \/>\ndich mit Leuten aus deiner Gegend treffen, die dieselben Artikel gelesen<br \/>\nhaben wie du gerade, und ihr k\u00f6nnt alle zusammenkommen und in genau der<br \/>\nWeise poly leben, die die Medien euch erz\u00e4hlt haben. Und falls das alles<br \/>\nist, worum du dich jemals bem\u00fchst, verkaufst du dich grunds\u00e4tzlich unter<br \/>\nWert. Du handelst in der Mono-Norm f\u00fcr Polynormativit\u00e4t, was,<br \/>\nrelativ gesprochen, gar nicht so weit hergeholt ist, und h\u00f6rst an diesem<br \/>\nPunkt auf, weil du denkst, dass das alles ist (und hast bereits eine<br \/>\nganze Reihe cooler Punkte ausser Acht gelassen). Du wirst nicht<br \/>\nermutigt, \u00fcber diese ganzen Punkte ohne irgendwelche vorgefertigten<br \/>\nModelle nachzudenken, was bedeutet, du wirst nie herausfinden, was<br \/>\ngerade jetzt am besten f\u00fcr dich passen w\u00fcrde. Als solches geht das<br \/>\ngrundlegendste Element von Polyamorie \u00fcberhaupt \u2013 den Mono-Standard<br \/>\nzur\u00fcckzuweisen und radikal die Bedeutung und das Leben von Liebe, Sex,<br \/>\nBeziehungen, Verbindlichkeit, Kommunikation und so weiter zu \u00fcberdenken<br \/>\n\u2013 verloren zugunsten eines Schnipsel-Rezept-Modells, das so einfach<br \/>\nscheint wie eins-zwei-drei. Die tiefsten und allerwichtigsten Vorteile<br \/>\nvon Polyamorie werden durch diese mediale Repr\u00e4sentation zunehmend<br \/>\nverdeckt,und als Ergebnis ger\u00e4t dies alles immer mehr ausser Reichweite<br \/>\nf\u00fcr diejenigen, die gerade erst anfangen, poly zu leben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier noch ein letztes Mal wiederholen, dass ich ein Problem<br \/>\nmit dem polynormativen Modell habe und dem Beharren der<br \/>\nMainstream-Medien auf diesem \u2013 nicht jedoch mit einer bestimmten<br \/>\nBeziehungsstruktur oder mit jedweden Leuten, die sie praktizieren. Ja,<br \/>\ndas polynormative Modell und die Primary-Secondary-Beziehungsstruktur<br \/>\n\u00fcberschneiden sich h\u00e4ufig, aber ich kann, wenn ich dich anschaue, nicht<br \/>\nsagen, welche Prozesse, Werte oder Umst\u00e4nde dich zu deiner gegenw\u00e4rtigen<br \/>\nStruktur gebracht haben, oder warum du deine Begrifflichkeit gew\u00e4hlt<br \/>\nhast, also kann und werde ich weder individuelle Leute noch<br \/>\nPolygruppierungen kritisieren oder \u00fcber sie urteilen auf der alleinigen<br \/>\nGrundlage, dass sie eine Primary-Secondary-Struktur leben. Wenn dieser<br \/>\nBeitrag nun ein Gef\u00fchl der Verteidigungshaltung in dir provoziert, dann<br \/>\nlade ich dich ein, dich damit auseinanderzusetzen und dar\u00fcber<br \/>\nnachzudenken, warum es das tut.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel ist hier die Unterscheidung zwischen Philosophie und der<br \/>\ngegenw\u00e4rtigen Situation oder Praxis. Dies ist so \u00e4hnlich wie die<br \/>\nTatsache, dass die sexuelle Orientierung und die aktuelle gegenw\u00e4rtige<br \/>\nsexuelle Praxis nicht ein und dasselbe sind. Du kannst zum Beispiel<br \/>\nhomosexuell sein und gerade z\u00f6libat\u00e4r, oder bisexuell, aber dieser Tage<br \/>\nnur Sex mit Frauen haben, oder fundamental hetero, doch in Verbindung<br \/>\nmit jemandem des gleichen Geschlechts (obwohl mir klar ist, dass dies<br \/>\neinige letztlich werden ausdiskutieren wollen). Wenn es polyamor wird,<br \/>\nwird es manchmal ungeachtet deiner Philosophie in einer bedeutenden<br \/>\nBeziehung mit Zusammenleben enden, gleichzeitig jedoch auch in einer<br \/>\noder mehreren weniger ernsthaften oder weniger verbindlichen oder<br \/>\nweniger intensiven Beziehungen als dieser einen. Es ist das<br \/>\npolynormative Gedankengut, mit dem ich ein Problem habe, nicht mit einer<br \/>\nForm einer gerade gegebenen Polybeziehungskonstellation.<\/p>\n<p>***<br \/>\nFalls du das polynormative Modell erweitern m\u00f6chtest, kann ich einige<br \/>\nLekt\u00fcre empfehlen. Lies zuerst Wendy-O-Matiks \u201cRedefining Our<br \/>\nRelationships\u201d. Dann probiere es mit Deborah Anapols \u201cNew Polyamory in<br \/>\nthe 21st Century: Love and Intimacy with Multiple Partners\u201d. (Ich selbst<br \/>\nhabe es bis jetzt nicht vollst\u00e4ndig gelesen, aber die Ausz\u00fcge, die ich<br \/>\ngesehen habe, lassen mich annehmen, dass Dr. Anapol eine Menge wirklich<br \/>\nkluges Zeug \u00fcber nicht-polynormative Modelle zu sagen hat, obwohl ich<br \/>\nnicht denke, dass sie diesen Begriff speziell benutzt.) Verbringe einige<br \/>\nZeit mit dem Lesen von Franklin Veaux. Lies meine 10 Regeln f\u00fcr eine<br \/>\ngl\u00fcckliche Nicht-Mono-Beziehung. Wenn du D\/S- oder M\/S-Beziehungen lebst,<br \/>\nlies Raven Kalderas Power Circuits: Polyamory in a Power Dynamic<br \/>\n(komplette Enth\u00fcllung: ich habe einen Aufsatz dazu beigetragen). Suche<br \/>\nnach Informationen, Ideen, Arbeiten, die dich zwingen, gr\u00fcndlich und<br \/>\nangestrengt nachzudenken, baue deine F\u00e4higkeiten aus und weite dein<br \/>\nHerz. Die L\u00f6sung ist da drau\u00dfen. Du bist am Zug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbersetzung des englischen Texts &#8222;the problem with\u00a0polynormativity&#8222;von Andrea Zanin durch\u00a0Bettina, Tom und Rainer vom Berliner PolyTreff mit kleinen sprachlichen Anpassungen von cloudy. Das Problem mit der Polynormativit\u00e4t Polyamorie erh\u00e4lt dieser Tage eine Menge Sendezeit in den Medien. Das ist wirklich ziemlich bemerkenswert und stellt eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in den letzten f\u00fcnf bis zehn Jahren dar. 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