Berührbarkeit und Resonanz

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SusaSunshine
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Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon SusaSunshine » 3. Feb 2018 17:54

Ich mag diesen Soziologen und seine Sicht auf die Welt, insbesondere auch dieses Video. In einem anderen Artikel, der im Internet leider bezahlt werden muss, beschreibt er Resonanz als "eine Art Begehren nach Welt". Ich verlinke den Text trotzdem da er sich zum Teil, wenn auch nicht vollständig, "for free" lesen lässt. Eine Art Begehren nach Welt
Ich habe das bis zum Lesen dieses Artikels immer "Lebenshunger" genannt und plötzlich verstanden, warum ich früher emotional so oft hungrig geblieben bin.

Im Video ist das auch gut beschrieben.
Achtsamkeit und Selbstbezogenheit
Viel Spaß beim Anschauen!
Susa
"Mir reicht's. Ich geh' schaukeln."

Alex83
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Re: Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon Alex83 » 4. Feb 2018 01:02

Hallo Susa,

vielen Dank für die Links. Spannend. Ich hatte von dem Vortrag in einem Podcast von Sextapes schon mal gehört und wollte eigentlich danach recherchieren. Das ging dann leider irgendwie unter und ich hatte mir nicht mal den Namen gemerkt. Jetzt höre ich das und merke, dass es genau dieser Vortrag sein muss und ich mir diesen ganz anders vorgestellt hätte.

Um ehrlich zu sein, hatte ich durchaus viele Entfremdungsmomente. Ganz grundsätzlich stört mich etwas dieses in vielen Köpfen verfestigte Konkurrenz- bzw. Spaltungsdenken in Menschen. Also Esoterik gegen Soziologie und Wissenschaft bzw. auch überhaupt in allen anderen Bereichen, sei es Wirtschaft, Politik, Kultur oder sonstiges. Es gibt in der Regel viele Gemeinsamkeiten und ich denke über Kooperation und das Entdecken dieser Gemeinsamkeiten erreicht man mehr als über Konkurrenz.

An dieser Stelle etwas von einem Menschen, der mich sehr beeindruckt: https://www.youtube.com/watch?v=c_1-nbfRzO0

Es liegt natürlich an mir, ob ich achtsam bin und Dinge bewusst wahrnehme und ob ich z.B. morgens an der Kasse beim Bäcker, der Kassiererin in die Augen sehe und sie anlächle (somit die Chance schaffe, in Resonanz zu gehen) oder nur stumm das Rückgeld ins Portmonee werfe und gedanklich schon auf der Arbeit bin und nicht einmal realisiert habe, dass die Kassiererin mich vielleicht ganz lieb angelächelt hatte. Damit habe ich aus meiner Sicht durchaus ein Stückweit auch Einfluss auf Resonanz und diese schaffe ich durch das GegenwärtigSein. Wie kann das als Beschleunigungsstrategie ausgelegt werden? Resonanz und Achtsamkeit sind für mich keine konkurierenden Konzepte.
Wie er schon sagt, gehört zu einer Resonanzerfahrung auch, in sich zu hören. Also auf eine innere Stimme und Intuition. Doch was ist die innere Stimme? Und gibt es überhaupt die eine Seite (ich) und die andere Seite (Welt), wie er das beschreibt? Ist nicht das vielleicht sogar der Kern der Entfremdung? Und ist es in den Resonanzmomenten nicht immer so, dass wir ganz im Moment sind?
Auch das Thema des zwingend erforderlichen Wachstums und die damit verbundenen exponentiellen Verläufe würde ich nicht als die einzige Alternative stehen lassen wollen. Natürlich kennt jeder das Begehren nach dem Verfügbarmachen der Welt (auch wenn ich das anders formulieren würde), doch es muss ja nicht so schwarz/weiß sein. Warum kann ich nicht eine schnelle Internetverbindung haben und eine 30-stündige Arbeitswoche, um mehr Zeit für mich zu haben? Warum muss dabei irgendwas exponentiell wachsen und irgendwann eskalieren?

Ich mag es aber sehr, wenn er von Resonanz im Zusammenhang zu Hingabe spricht. Das spricht mich sehr an :)

Und an der Stelle frage ich mich, warum du früher emotional hungrig warst, wodurch du das nicht mehr bist und wodurch du das realisiert hast :)

Liebe Grüße
Alex
life is beautiful

SusaSunshine
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Re: Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon SusaSunshine » 4. Feb 2018 01:21

Lieber Alex,
ich finde es auch oft sehr befremdend, wenn ich diese Spaltungstendenzen wahrnehme, denn ich erlebe die verschiedenen "Disziplinen" auch nicht als getrennt, es gibt viele Überschneidungen.
Mich hat sehr beeindruckt, dass Herr Rosa sich auf eine Konferenz über Achtsamkeit hat einladen lassen, denn wie er zu Beginn sagt, steht die Befürchtung im Raum, dadurch von seinen Soziologie-Kollegen nicht mehr für voll genommen zu werden. Und er schafft dadurch Dialog und Austausch, im besten Fall Verständigung zwischen zwei scheinbar miteinander konkurrierenden Parteien...
Ob Herr Rosa jetzt selbst auch ausgrenzt, habe ich nicht mehr im Kopf, ich müsste nochmal nachhören.
An welchen Stellen ist dir das aufgefallen edit und meinst du, dass er über gesellschaftliche Phänomene spricht, wie Achtsamkeit Er umgesetzt wird oder dass er Achtsamkeit inhaltlich kritisiert?
Den Rest beantworte ich morgen.

Gute Nacht :-)
eine müde Susa
"Mir reicht's. Ich geh' schaukeln."

SusaSunshine
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Re: Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon SusaSunshine » 4. Feb 2018 21:38

Natürlich kennt jeder das Begehren nach dem Verfügbarmachen der Welt (auch wenn ich das anders formulieren würde), doch es muss ja nicht so schwarz/weiß sein. Warum kann ich nicht eine schnelle Internetverbindung haben und eine 30-stündige Arbeitswoche, um mehr Zeit für mich zu haben? Warum muss dabei irgendwas exponentiell wachsen und irgendwann eskalieren?

Ich mag es aber sehr, wenn er von Resonanz im Zusammenhang zu Hingabe spricht. Das spricht mich sehr an :)

Und an der Stelle frage ich mich, warum du früher emotional hungrig warst, wodurch du das nicht mehr bist und wodurch du das realisiert hast :)

Liebe Grüße
Alex
Lieber Alex,
meiner Meinung nach ist das "Verfügbarmachen von Welt" nur dann ein Problem, wenn sie als Konsum daherkommt, wenn für diese Möglichkeiten keine Dankbarkeit im Herzen zu spüren ist, sondern sie als selbstverständliches Luxusgut vorausgesetzt und nicht geschätzt werden. Und wenn diese Güter einen Ersatz für Gefühle darstellen.
Das expotentielle Wachstum fordert die Menschen immer mehr, mehr zu arbeiten, effizienter zu sein, eine höhere Leistung zu erzielen...

Hingabe ist das Gegenteil davon und ja, ich fand diesen Begriff der Hingabe an die Welt auch so wunderschön und treffend, dass mir ganz warm um´s Herz wurde...
In den Dingen, die ich tue, bewusst zu sein lässt mich diese Hingabe ans Leben ganz konkret spüren... Meine Kinder haben mich das Wunder der kleinen Dinge gelehrt, die Freude und eine liebevolles "in der Welt verwurzelt sein", die bedeuten können, bewusster wahrzunehmen und sich emotional auf die Welt zu beziehen: Die Spinne, die in der Hecke neben unserem Haus ihr Netz gesponnen hat und bei jedem Nachhausekommen bestaunt und begrüßt wird, das kleine Ritual, am Brunnen in der Nebenstraße stehenzubleiben, seinem Plätschern zu lauschen und ein Lied dazu zu singen und so vieles mehr...

Verloren hatte ich diese Hingabe aus verschiedenen Gründen, einer davon war, weil sich mein Job so verändert hat, dass ich jeden Tag gegen meine Überzeugungen und mein Mitgefühl, mein feines Spüren und Wahrnehmen der Bedürfnisse von Kindern handeln musste und ihnen statt echter Begegnung und Beziehung frühkindliche Bildung vermitteln sollte. Da hat sich in mir alles gesperrt.
Ein anderer war, dass aus verschiedenen Gründen in meinem Alltag immer mehr Zeitdruck entstanden ist, zusammen mit einer Vervielfältigung der Arbeit, die zu erledigen ist, beides hat mich davon abgehalten, ganz präsent im Hier und Jetzt zu sein sondern im Gegenteil irgendwie immer innerlich "auf der Flucht" und mit den Gedanken schon bei der nächsten Erledigung...

Das waren mehrere Schritte, die dazu geführt haben, daran etwas zu ändern, einer davon war Körperpsychotherapie, ein anderer Auszeiten auf schamanischen Mehrgenerationencamps, in denen einfach alles entschleunigt und langsam ist. Ich habe begonnen, diese Langsamkeit und Bewusstheit in meinem Alltag wieder zu suchen... meinen Weg wiederzufinden... darauf bestanden, dass ich mir Zeit für das Fühlen und bewusste Wahrnehmen meines Innenlebens nehmen darf... auch wenn mein Mann gerne die Spülmaschine ausräumen will, bitte, dann gehe ich mit der Kaffeetasse in mein eigenes Zimmer... letztlich hat es viel mit Spüren und Wahrnehmen zu tun, mit den Sinnen verbunden zu sein und meinen Körper zu spüren...
und daran merke ich auch, dass es sich verändert hat, ich spüre meinen Körper wieder sehr gut, meine Sinne sind "wach" und ich fühle, ich spüre ganz viel, ich verbinde mich mit der Welt aber auch mit den Menschen, die ich liebe, ich kann emotional sehr durchlässig sein, ich kann Nähe annehmen und verschenken...

Herzliche und warme Grüße an dich
Susa
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Alex83
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Re: Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon Alex83 » 4. Feb 2018 22:55

Mich hat sehr beeindruckt, dass Herr Rosa sich auf eine Konferenz über Achtsamkeit hat einladen lassen, denn wie er zu Beginn sagt, steht die Befürchtung im Raum, dadurch von seinen Soziologie-Kollegen nicht mehr für voll genommen zu werden. Und er schafft dadurch Dialog und Austausch, im besten Fall Verständigung zwischen zwei scheinbar miteinander konkurrierenden Parteien...
Ob Herr Rosa jetzt selbst auch ausgrenzt, habe ich nicht mehr im Kopf, ich müsste nochmal nachhören.
An welchen Stellen ist dir das aufgefallen edit und meinst du, dass er über gesellschaftliche Phänomene spricht, wie Achtsamkeit Er umgesetzt wird oder dass er Achtsamkeit inhaltlich kritisiert?
Hallo Susa,

irgendwie kam mir allgemein der Achtsamkeitsansatz in dem Vortrag etwas zu kurz und zu undifferenziert. Ich kann nicht sagen, dass ich mich wahnsinnig intensiv inhaltlich mit irgendwelchen buddhistischen Lehren auseinander gesetzt habe, aber ich denke, es steckt deutlich mehr dahinter, als irgendwelche Coaches auf ihren Werbebannern im Internet platzieren. Er sagt vor seinen sechs Thesen, es wäre das Gegenteil von Resonanz. Daran habe ich mich insbesondere etwas gestört...

Meine Kritik bezüglich Spaltungsdenken, ging nicht direkt an ihn...es ist doch schon irgendwie traurig, dass hunderte schlaue Menschen in einem Saal sitzen, einem guten Redner zuhören und dieser aufgrund von mangelnder Offenheit und Freigeist irgendwelche Befürchtungen haben muss, in eine Schublade gesteckt zu werden, welche gesellschaftlich weniger geschätzt wird.

Liebe Grüße
Alex
life is beautiful

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Re: Berührbarkeit und Resonanz

Ungelesener Beitragvon SusaSunshine » 4. Feb 2018 23:23

Hallo Alex,
danke für die Erklärung, jetzt weiß ich, was du meinst.
Ich habe Achtsamkeit vor zehn Jahren noch als effektive Methode der Selbstregulationsfähigkeit kennengelernt. Ich habe die Geschehnisse in der Achtsamkeitsbewegung nicht ausreichend verfolgt, um mir dazu eine Meinung gebildet zu haben, ob der Redner inhaltlich richtig oder falsch liegt.
Mit dieser Aussage und Gegenüberstellung kam der Redner unabhängig von der Wahrheit seiner Darstellung für mich auch nicht ganz so sympathisch rüber, was ich schade fand. Diese Abgrenzung und auch Abwertung hat mir nicht so gut gefallen, dafür suche ich zu sehr die Gemeinsamkeiten und das Miteinander. Bis ich eines Besseren belehrt werde, verbuche ich diese Aussage innerlich als unglücklich gewählte Strategie zur Vermarktung des Konzeptes bzw. Buches, was es aber nicht unbedingt besser macht...
Herzensgrüße Susa
"Mir reicht's. Ich geh' schaukeln."


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