Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Diskussionen, Fragen und Gedanken zu nicht-traditionellen Beziehungen

Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon Chantilly » 14. Jan 2010 11:51

Nachdenkliche, anrührende, lustige, interessante,... Zitate/Beiträge aus dem Forum.

V... hat geschrieben:ich wünsche mir für die zukunft für mich und meine liebsten, ganz gleich wie wir verbunden sein mögen, dass wir weiterhin selber und miteinander wachsen, uns entwickeln, uns gegenseitig inspirieren, überraschen und auffangen. das wir uns gegenseitig freiheit, raum, verständnis und liebe geben. viel lachen, neues und gemeinsames gestalten in unserem leben. das wir uns gegenseitig beweglich, jung, offen und neugierig für alles in der welt halten... :D
(Quelle)

logo hat geschrieben:
seine Denkwege sind überall beschnitten von Ängsten. "Wenn ich mich jetzt bewege, bricht das mühsam aufgebaute Kartenhaus zusammen."
Um das Kartenhaus wäre es ja nicht schade. Würde man darunter, darum oder ganz woanders, wie winzig oder bedroht auch immer, das eigene (sicherere) Haus entdecken. Dieses nicht zu haben,oder zumindest: nicht zu kennen, verführt ja dazu, diese luftigen oder auch auf Sand gebauten Kartenschlösser zu errichten und in fragiler Balance zu halten.
(Quelle)

K... hat geschrieben:Da ich Menschen, Männer wie Frauen gleichermaßen liebe, auf der anderen Seite diese Liebe jedoch "nur" mit Heteros und Homos teilte, war es für mich eine exorbitante Erfahrung, die erste ambivalent-sexuell orientierte Person in mein Leben einzulassen.
Dies geschah nun vor einigen Wochen, und obwohl ich niemanden "mehr" oder "weniger" liebe, ist diese Erfahrung doch ein Meilenstein in meinem Leben.
Ich liebe meinen "Homie" und ich liebe meine "Heten" aus tiefstem Herzen, aus tiefster Seele.
Doch erst jetzt fühle ich mich wirklich komplett.
(Quelle)

Eine Bitte: wenn das "best of" - Zitat aus dem nicht-öffentlichen Bereich des Forums stammt, dann macht ggf. Namen unkenntlich um das hier im öffentlichen Teil zu posten.

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Re: Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon Chantilly » 20. Jan 2010 00:02

Z. hat geschrieben:Leid ist eine Empfindung, die vorrübergeht, sie hat einen Anfang und ein Ende. Sie kann sehr intensiv sein, aber sie vergeht auch wieder.
Deswegen bin ich manchmal bereit, für eine bestimmte Zeit auch mal zu leiden, wenn ich dadurch etwas zu gewinnen hoffe. Aber eben für eine bestimmte Zeit.
Es gibt irgendeinen Punkt, ab dem ist es eben nicht mehr nur flüchtiges Leid, sondern es fängt an Spuren zu hinterlassen. Dauerhaft zu verletzen. Und das ist dann der Punkt, wo ich Stopp sage.
Manchmal verpasse ich den richtigen Zeitpunkt und schürfe mir meine seelischen Knie auf. Aber das habe ich mit meinen körperlichen auch gemacht, als ich unbedingt laufen lernen wollte.
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Re: Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon Chantilly » 1. Apr 2010 20:56

P. hat geschrieben:ich empfinde es nicht als unsicherer, als das traditionelle Beziehungsmodell. Auch da gibt es die Gefahr, dass es schief geht. Es gibt bei emotionalen Dingen nie eine Garantie und man begibt sich eigentlich bei jeder neuen Beziehung aufs Glatteis...

Z. hat geschrieben:Neee, eine Garantie gibt es nicht - aber ich glaube, dass wir uns das oft nicht bewusst machen, wenn wir eine Beziehung nach einem konventionellen Beziehungsmodell anfangen. Wir stellen fest, wir wollen beide eine Beziehung, wir bilden uns ein, wir meinten das gleiche damit... was soll also schiefgehen? Ich glaube nicht das Polybeziehungen unsicherer sind als Monobeziehungen. Aber in Polybeziehungen kommen wir um die Auseinandersetzung mit unseren unterschiedlichen Wünschen und Ansichten und Ängsten nicht so leicht drumherum. Deswegen glaube ich, dass die ersten Polyversuche auf die Versuchenden oft unsicherer wirken als ihre früheren Monobeziehungen auf sie gewirkt haben.
Außerdem: in einer neuen Monobeziehung lassen wir uns "nur" auf einen neuen Menschen ein. In einer ersten Polybeziehung auf einen neuen Menschen und ein völlig neues Beziehungsmodell.


A. hat geschrieben:in einer konventionellen Beziehung komme ich sozusagen auf ein Fußballfeld, die Regeln hab ich schon oft mitbekommen, ich habe viele gesehen, wie sie sich drauf bewegt haben und mit Gehen, Rennen, Springen, Ballspielen habe ich schon reichlich Erfahrungen. jetzt muss ich 'nur' noch lernen, mit der anderen Person den Ball auszutauschen.

Bei einer Polybeziehung ist aber auch das Gehen, Rennen, Springen noch völlig unbekannt. Ich habe praktisch niemanden bisher dabei beobachten können, ich kenne die Regeln auf diesem Feld nicht, und allein das Gleichgewicht zu halten, also die eigene Stabilität zu finden, erfordert mehr Können und Aufmerksamkeit als bisher


Z. hat geschrieben:Ich fühl mich sehr wohl damit, wenn mein Partner mir von einer anderen Partnerin vorschwärmt. Es gibt mir ein wohlig-warmes Gefühl von tiefer Vertrautheit. Ich lass mich gerne mitreißen von der Begeisterung.


Quelle für obige Zitate

A-L. hat geschrieben:bei einer poly-beziehung geht es nicht darum, eine beziehungsart gefunden zu haben, bei der alle immer glücklich sind und es keine kompromisse/kein verbiegen mehr geben muss.
das muss ich mono, das muss ich, wenn ich alleine lebe (da sogar sehr stark!), das muss ich in jedem sozialen netzwerk.
das bedürfnis, lieben zu dürfen, wen ich liebe, ist letztendlich auch nur ein bedürfnis und muss halt (jeder für sich!) eingeordnet werden. wie wichtig ist es? wichtiger als der partner, der mono leben will? wo bliebe dann die liebe, wenn ein bedürfnis von mir größer als die liebe zu meinem partner wäre? wo bleibt andernfalls die selbstliebe?
fragen über fragen. keine rhetorischen, sondern fragen mit dem ziel nach echten, aufrichtigen antworten.

Quelle Forumsdiskussion: "Dilemma: Sich verbiegen oder den Partner verlieren?"

m. hat geschrieben:Ich weiß diese Ehrlichkeit und die Offenheit zwischen mir und meinem Mann sehr zu schätzen. Ich denke, das ist die beste Voraussetzung für eine dauerhafte, gute Beziehung.
Unabhängig davon, ob man im tradionellen Sinne oder in offnen Beziehungen lebt.

Treue halte ich für überaus wichtig! Es gibt nun leider viele unterschiedliche Interpretationen dieses Begriffes. Viele verstehen Treue fast ausschließlich so, dass man sich einem/ einer dritten Person körperlich möglichst nicht nähern sollte, was absoluter Quatsch ist, meiner Meinung nach.
Ich bin ein sehr treuer Mensch, ABER auf meine Art.


h. hat geschrieben:Treue ist für mich ein ganz wichtiges Thema, die spielt sich aber eher innerlich ab, glaub ich. Ich war bisher vermutlich serienmonogam (kennst den Begriff? Bestimmt, hm?), bis ich vor vier Jahren mit dem Unsinn aufgehört habe, weil ich merkte, das kanns alles nicht sein. Das entspricht nicht mir und dem, was ich leben und geben kann.

Quelle

m. hat geschrieben:Innerlich fühle ich mich Zeit meines Lebens eher zu Frauen hingezogen, lebe auch seit paar Jahren in offenen Beziehungen zu bisexuellen Frauen.

Mein Mann wußte vor unserer Ehe bereits von meiner Zuneigung zu Frauen, wollte mich aber auf keinen Fall aufgeben.

Diese Mehrfachbeziehung lebe ich sehr offen und ehrlich, sowohl mein Mann als auch meine Freundinnen wissen voneinander.
Es gibt keine Eifersucht oder Machtkampf in dem Sinne, denn jede(r) von uns ist in einem stabilen Familienleben involviert, keine(r) fühlt sich dadurch bevorzugt oder vernachlässigt.
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Re: Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon heaven » 1. Apr 2010 22:58

a. hat geschrieben:
Wir fordern ja die Person auf, sich auf ein Glatteis zu begeben, auf eine Fläche sich zu begeben, sich dort zurecht zu finden, sich darauf zu bewegen, fortzubewegen und das manchmal noch mit dem Anspruch es soll elegant und gekonnt sein.
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Re: Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon Chantilly » 30. Jul 2010 20:49

Ich schrieb zum Thema 'Wünsche äussern':
"In Zweierbeziehungen kann man sich teilweise recht gut durchmogeln, je mehr Menschen es werden (Beziehungsnetzwerk o.ä.) und je enger sie zusammenrücken, desto schwieriger wird es, sich mit seinen Wünschen hinterm Berg zu halten."

M. hat daraufhin geschrieben:
Sicher es ist nicht einfach zu sagen was man will, es kostet oft Überwindung und ich denke besonders Frauen sind immer noch davon geprägt sich eher zurück zu nehmen. ...
Wünsche äußern ist etwas was man lernen kann. Es ist eine Übungssache. Sich selbst zu fragen "Was will ich eigentlich" und dann auch dafür ein zu stehen.
Und je öfter man es probiert und auch positive Erfahrungen sammelt, um so leichter wird es einem mit der Zeit auch fallen zu sagen was man will.

und weiter:
Ich habe mir gerade überlegt was es eigentlich ist was einem davon abhalten kann seine Wünsche zu äußern. Folgende Dinge sind mir dazu eingefallen:
* Angst vor Ver- bzw. Be-urteilung
* Ablehnung, Zurückweisung
* Scham
* Angst anderen lästig zu sein
* Angst vor den Konsequenzen

Und ich hab mir überlegt, weshalb es von Vorteil ist zu sagen was man sich wünscht:

* ich stehe für mich ein
* meine Bedürfniss können erfüllt werden
* der/ die andere/n haben dadurch die Möglichkeit mich besser kennen zu lernen bzw. entsprechend zu reagieren
* mein Selbstvertrauen wird gestärkt
* weniger Mißverständnisse
* weniger Unzufriedenheit
* mehr Offenheit und Authentizität
* ich bin für andere klarer und deutlicher wahr zu nehmen

beide Seiten kann man sicher noch mit vielen Beispielen ergänzen
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Re: Perlen-Strang (best of Beziehungsgarten)

Neuer Beitragvon Chantilly » 8. Aug 2010 15:16

Juni schrieb in einem längeren Beitrag (der mir gut gefällt):

Es fällt mir fast immer etwas liebenswertes an meinem Gegenüber auf. Übereinstimmungen und Komptabilität zu finden ist schön, Gegensätze und Andersartigkeit fühlen sich spannend an. [...]
Ich bin auch körperlich neugierig auf Menschen. Ich kann mich schnell einlassen. Sexualität ist für mich nichts was ich aufbewahren muss und für eine bestimmte Person unter Verschluss halten muss.
[...]
Ich habe auch große und kleinere Lieben, bin mehr oder weniger involviert. Aber involviert bin ich immer, einlassen kann ich mich immer und Liebe ist da auch immer. Wenn ich körperlich mit jemand werde fließt da Zärtlichkeit, bei jedem. Das ist nicht überlegt oder geplant, das passiert einfach.
Ich habe mich lange darüber gewundert. Ich dachte, warum "kann" ich keine ONS. Warum werden daraus so so oft Liebesaffairen, Zweitbeziehungen usw...vielleicht ist das eine mögliche Antwort? Ich kann mich einlassen ohne "den/die Eine(n)" in einer Beziehung erkennen zu müssen. Ich suche nicht meine Schlüssel bei anderen. Sie müssen mich nicht heilen oder vollständig machen.
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