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Eifersucht

Mai 12th, 2014

Im folgenden Text beschreibt Forumsteilnehmer friedlk eine erfolgreiche „Eigentherapie“ gegen Eifersucht

In meinen ersten beiden Beziehungen hatte ich Eifersucht auch selbst erlebt, nicht so überwältigend und bedrohlich, wie es oft geschildert wird, aber durchaus lästig. Nachdem ich jene Liebschaften (aus anderen Gründen) beendet hatte, gab es in der dritten erstmal keinen Anlass dazu. Zumindest gab mir meine damalige Lebensgefährtin keinen – allerdings wollte ich nach einiger Zeit einen solchen haben. Um eine gewisse aufkeimende Langeweile zu vertreiben, wollte ich mir nicht etwa eine zweite Geliebte „zulegen“, sondern die bestehende Verbindung mit einem zweiten Mann erweitern. Das kam dann später auch so, aber das ist eine
andere Geschichte…

Ich wollte nicht in die Klemme geraten, mit der Erfüllung dieses meines Wunsches mir wieder die lästige Nebenwirkung, das grünäugige Monster namens Eifersucht ins Boot zu holen. Also überlegte ich mir beizeiten, was ich zur Vorbeugung tun könnte.
Ich bin in die Vollen gegangen, habe meine (schon damals blühende) Fantasie genutzt, um mir solche potenziell eifersuchtsauslösenden Situationen vorzustellen, ganz genau, bis ins allerkleinste Detail, habe mich hineingedacht und -gefühlt, wieder und immer wieder; habe mich darauf programmiert, dass diese Bilder auch ungewollt auftauchen, auch in Momenten, wenn ich sie grade gar nicht haben will und brauchen kann, und all das über einen längeren Zeitraum. Aktive Desensibilisierung sozusagen. Und das war wirksam! Diese Bilder und Vorstellungen waren irgendwann so sehr vertraut und präsent, dass sie zum ganz normalen Teil meiner Vorstellungswelt geworden waren, noch ohne dass es eine Entsprechung in der Realität gegeben hätte. Also gab es keinen Grund, keinen Nährboden mehr für Eifersucht; worin hätte der bestehen sollen, wenn ich all das doch mit jeder Faser wollte? Wenn das doch ein Teil von mir war! Und so war es dann auch, als es schließlich soweit kam: da gab es keine Eifersucht mehr, da war nur das süße Kribbeln namens Mitfreude.

In meinen damaligen Übungsfantasien war ich anfangs selbst gar nicht präsent, nur als (virtueller) Beobachter, als sähe ich einen Film. Nach einiger Zeit wurde diese Beobachterrolle in der Fantasie real, ich stellte mir also vor, ich sei dabei, aber unbeteiligt. Erst als ich dann den Erfolg spüren konnte, erlaubte ich mir, in der Vorstellung auch Mitspieler zu sein, und dann war ich sicher, dass da nichts mehr schiefgehen konnte.

All das hat sich bis heute vielfach bewährt, über fast dreißig Jahre. Ich habe, gerade in den letzten Jahren, Situationen erlebt, die ohne diese konsequente Schulung wohl kaum auszuhalten gewesen wären. Aber es ging gar nicht mehr ums „Aushalten“. Ich konnte neidisch sein, weil ich real ausgeschlossen war, und ich konnte mich gleichzeitig mitfreuen, gerade weil mir alle Details zugänglich gemacht wurden. Eifersucht habe ich seither nie wieder erlebt.

(2008)